Artus

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Inhaltsverzeichnis

Legende und Wirklichkeit

Ich möchte mit diesem Artikel den Versuch unternehmen, die Sagengestalt Artus mit dem Licht der neusten Erkenntnisse der Historiker aller Sparten etwas aus den Schatten der Mythologie zu holen.

Was weiß man über Artus?

Zum einen ist es wohl ziemlich sicher, dass seine Wirkungsstätte Britannien gewesen ist. Bei einer genaueren Lokalisierung scheiden sich allerdings schnell die Geister. Die einen sagen Cornwall, andere Wales wieder andere die Umgebung des heutigen London und noch andere der Süden des heutigen Schottland.

Durch Analyse von mittelalterlichen Texten ist es gelungen, das Reich des König Artus in einem Gebiet auszumachen, welches in etwa in dem Bereich zwischen Hadrianswall und Antoninuswall lag. Bestätigt wird dies auch durch alte sächsische Überlieferungen, nach denen ziemlich sicher der Süden Britanniens schon längere Zeit während und vor der Artusepoche in sächsischer Hand war. Grob umrissen bestand das Reich aus einem Gebiet welches heute Border Country genannt wird und die äußeren Begrenzungen waren Berwick, Carlisle, Dumbarton und Sterling.


Auch um die Abstammung des Artus gab es lange Zeit Rätselraten. Doch scheint das wahrscheinlichste zu sein, dass er väterlicherseits mit dem römi-schen Hochadel verwandt war und mütterlicherseits mit dem britisch-keltischen Stammesadel. Nach diversen Aufzeichnungen behauptete Artus bei seiner Krönung mit der Stammlinie des Kaiser Konstantin des Großen verbunden zu sein. Dies ist auch nicht abwegig, da die letzten römischen Imperatoren (sprich Oberbefehlshaber) auf der briti-schen Insel jeweils in direkter Linie mit diesem Kaiser verwandt waren. Seine Mutter gehörte zum Hochadel der Kelten Britanniens und residierte in einer Festung namens Cearlaverock. Diese Burg dürfte auch Artus' Geburtsort gewesen sein.


Die Geburt Artus fällt in die Zeit des Königs Vortigern, der einen Aufstand gegen die Römer anführte und der von Artus Onkel Aurelius Ambrosius niedergeschlagen wurde. Artus Vater Uther Pendragon führte nach dem Tod seines Bruders Aurelius den Oberbefehl über die Länder im Norden Britanniens, bis er einem Giftanschlag zum Opfer fiel.

Wenn man sich die Zeitpunkte der Geschehnisse um Vortigern und Aurelius genau anschaut und die Herrschaftszeiten analysiert, so kommt man auf ein ungefähres Geburtsdatum um das Jahr 475 n. C.

Als Sohn des Hochadels aus britischer und römischer Linie dürfte Artus eine exzellente militärische Ausbildung genossen haben. Diese hat er wahrscheinlich zusammen mit seinem nahezu gleichaltrigen Neffen Gawain verbracht. Gawain war der Sohn einer älteren Schwester des Artus namens Margawse und des König Loth von Lothian (eine weitere Schwester, nämlich Morgane war mit König Urien von Gorre verheiratet).


Dieser König Loth wurde wohl auch der Vormund von Artus und organisierte die Geschicke des nördlichen Britanniens, bis Artus dies selber zu tun in der Lage war. Mit 15 Jahren wurde der junge Artus bei einer Versammlung britischer Stammeshäuptlinge (Könige) zu deren militärischen Oberbefehls-haber gewählt. Dieses Treffen fand wohl bei Great Chesters ungefähr in der Mitte des Hadrianswall statt. Nach seiner Benennung zum Heerführer oder auch Herzog (röm. "dux") führte Artus sechs Feldzüge, um das britische Reich zu einen. Danach kamen die Abwehrschlachten gegen die Sachseninvasionen. Davon war die entscheidenste die beim Berg Badon. Diese letzte Schlacht gegen die Sachsen zwang sie zu über 20 Jahren Rückzug aus dem nördlichen Britannien.


In dem bergigen Gebiet des Border Country führte Artus vornehmlich Zermürbungstaktiken durch. So zog er zur offenen Feldschlacht auf um sich dann schnell zurückzuziehen, seine Truppen wieder zu formieren und wieder zuzuschlagen. Er hielt den Feind aber auch hin, schwächte durch permanente Überfälle dessen Moral und schreckte auch vor Nachtangriffen nicht zurück. Ein weiterer Schlüssel zu seinen Siegen war, dass seine Hauptfestungen in Carlisle und Dumbarton jeweils Zugänge zur offenen See hatten. Artus hat es schnell verstanden, dass für das Überleben Britanniens eine Seestreitmacht unerlässlich ist. Diese setzte er auch richtig ein, indem er die bessere Kenntnis über Strömungen und Buchten der britischen Küste ausnutzte und den Feind in Hinterhalte lockte. Zu bemerken sei hierbei noch, dass der Einsatz von berittenen Truppen die große Aus-nahme war, da die Kavallerie bzw. das Reiten überhaupt im Norden der britischen Insel noch recht unbekannt waren. Es ist allerdings davon aus-zugehen, dass die Adligen und die Truppenführer größtenteils zu Pferd gekämpft haben.


Als Artus zurückkam von seinen insgesamt zwölf Schlachten war er unter den britischen Stämmen ein Volksheld, denn er hatte alle seine Schlachten gewonnen. Es wurde beschlossen ihn zum König Britanniens zu krönen. Bei seiner Krönungsfeier sollen alle Könige (Fürsten) des Reiches anwesend gewesen sein, darunter auch Könige von nichtkeltischen Völkern, wie z.B. Norwegern und Dänen, die sich auf den brit. Inseln niedergelassen haben. Die wichtigsten Personen bei dieser Krönungsfeier waren neben Artus und seiner Frau Guinivere die Könige Loth von Lothian, Anguselius von Schottland (Albania oder kurz Alba) und ein König Hoel.

Während dieser Feier waren den Quellen zufolge auch die Könige zugegen, die von Artus während seines Inselfeldzugs geschlagen wurden und nun bei der Krönung die Möglichkeit haben sollten sich freiwillig dem König und dem Reich zu unterwerfen. Weiterhin soll Artus seine Krönungsfeier genutzt haben alle Könige des Reiches auf einen Festlandsfeldzug in Gallien einzuschwören.


Wenn man einigen Quellen glauben schenken möchte so lüftet sich bei der eigentlichen Krönung in der Kirche von Carlisle auch das Mysterium um das Schwert Excalibur und dem Stein. Denn Artus nahm das Schwert nicht aus sondern einfach nur von dem Stein. Wobei der Stein mit aller Wahrscheinlichkeit der Altar der Kirche gewesen ist. Anscheinend war das Schwert Excalibur nichts weiter als eine Staatsinsignie. Zumal man von Artus weiß, dass er vornehmlich mit der Streitaxt und noch öfter mit dem Kriegshammer gekämpft hat. Aus diesem Grund hatte Artus auch unter den Sachsen den Namen "Britischer Hammer". Ebenso soll ein Hammer seinen Schild geziert haben.


Während des jahrelangen Festlandfeldzugs, der auf die Krönung von Artus folgte, sollte das Reich von Gawains Bruder Mordred als Sohn des mächtigen Königs Loth und Königin Guinivere geführt werden.

Um Königin Guinivere ranken sich die merkwürdigsten Geschichten.

Zum einen soll sie Lancelot verführt haben und zum anderen soll sie bei manchen Autoren auch Teil der Verschwörung Mordreds gewesen sein. Diese Sichtweise liegt aber wohl nur daran, dass die größten Teile der Artusliteratur und Romane im 12.-13. Jahrhundert geschrieben und von dessen Zeitgeist wesentlich beeinflusst wurden. Diese verführerische und verräterische Königin passte damals einfach ins Weltbild.


Die wahre Guinivere war wahrscheinlich eine Piktenfürstin. Ihre Heirat mit Artus sollte den Frieden mit den Pikten im Norden sichern. Als piktische Herrscherin muss Guinivere im Kriegshandwerk ausgebildet gewesen sein, da dies bei diesem Volk üblich war. Außerdem deckt sich diese Vermutung mit Angaben alter Quellen, wonach die Königin selber auch Heere zum Sieg geführt hat. An der Verschwörung Mordreds kann sie nicht wesentlich beteiligt gewesen sein, da sie bereits vor der Schlacht von Camblan, während ihrer zweiten Entführung durch Artus Erzfeind König Urien von Gorre, ums Leben kam.


Dieser König Urien und seine Gemahlin Morgane hatten mind. zwei Söhne, von denen der erste Mealegant während der ersten Entführung Guinivers von Lancelot während ihrer Befreiung erschlagen wurde. König Uriens Reich lag auf der Isle of Man, über die es später noch wesentliches zu berichten gibt.


Als Artus während seines Festland oder Kontinentalfeldzugs von den Putschversuchen Mordreds erfuhr wurde sogleich sein Heer gesammelt und zurück nach Britannien eingeschifft. In Britannien angekommen gab es zwei Schlachten. Die erste bei der Landung von Artus' Truppen bei seinem Stammsitz Carlisle, bei der Artus wohl nur knapp und unter hohen Verlusten siegreich war, und eine zweite Schlacht drei Tage später bei Camlan oder auch Camblan. Diese Schlacht wurde zur Katastrophe. Wenn man allen Quellen glauben schenken mag, so ist an diesem Tag jeder große Führer der britischen Königreiche gestorben. Artus selbst konnte den meisten Texten nach noch schwerverletzt nach Avalon gebracht werden, starb aber dort an seinen Verwundungen.

Das Todesjahr und damit der Zeitpunkt der Schlacht wird unterschiedlich datiert, da niemand genau beziffern mag, wie lang die Friedenszeit nach den Sachsenschlachten und der Kontinentalfeldzug von Artus tatsächlich gedauert haben. Die Hauptquellen schwanken da zwischen 515 bis 542 n. C.

Es gab da doch noch anderes als Artus…?

Eine andere wichtige Gestalt aus der Artussage ist Lancelot. Dieser wird nur in den ältesten Quellen um Artus gar nicht e rwähnt. So dachte man lange Zeit, dass Lancelot lediglich eine Erfindung der Romanautoren des Mittelalters sei. Ein guter Gegenpart zu Artus, der dramaturgisch wichtig sei um die Liebesgeschichte zu Guinivere zu stricken.

Nunmehr haben Textvergleiche ergeben, dass der bereits erwähnte König Anguselius von Schottland sehr wahrscheinlich mit Lancelot identisch ist. Denn im französischen werden die Artikel le und la auf l' abgekürzt wenn das Hauptwort mit einem Vokal beginnt. So hieß die Person nicht Lancelot sondern Le Ancelot, verkürzt L'Ancelot. Ancelot übersetzt ergibt eine Abwandlung von Anguselius. Dieser Mann musste sich in seiner Jugend sein Königreich erobern, da er durch widrige Umstände zu einem Exildasein verdammt war, bis man ihm seine wahre Herkunft verdeutlichte. Auf jeden Fall war Lancelot als König von Schottland der wichtigste Verbündete von Artus und stand zusammen mit Gawain als Schwertführer und Hauptmann seiner Armee stets an Artus Seite oder wurde für besondere Einsätze entsandt.


Ein weiteres Mysterium der Artussage ist die Lage von Avalon. Durch Vergleich von verschiedenen Texten zur Artuslegende, teils historischen Aufarbeitungsversuchen, teils Romanen des 9. bis 12. Jahrhunderts, kristallisiert sich heraus dass Avalon entweder die Isle of Man oder eine der kleinen Nebeninseln war. Die Isle of Man hieß während des Mittelalters über sehr lange Zeit auch Norwegen, weil diese über einen großen Zeitraum von Wikingern beherrscht wurde. Dieser Umstand der Benennung verursachte bei den mittelalterlichen Historikern natürlich starke Verwirrung. Aus der genauen Betrachtung der Ortsbeschreibungen und Lokalitäten innerhalb dieser Texte wird allerdings ziemlich klar, dass die Isle of Man zumindest das Herrschaftsgebiet des König Urien von Gorre beinhaltete und mindestens einen Flottenstützpunkt des Artus. Des weiteren lassen die Beschreibungen Avalons in den Erzählungen des Mittelalters im Vergleich mit tatsächlichen Örtlichkeiten auf der Isle of Man den Schluss zu, dass Avalon entweder auf oder bei der Isle of Man zu suchen ist.

Nach recht neuen Erkenntnissen zum Thema der Lage Avalons kann man davon ausgehen, dass mit der eigentlichen Insel Avalon das heutige St. Patricks Eiland gemeint ist. Diese kleine Insel liegt an der westlichen Küste der Isle of Man und erfüllt alle geografischen Voraussetzungen, die man aus den Erzählungen um Artus herausfiltern kann.


Ebenso im Dunkel der Geschichte liegt das Rätsel um die Tafelrunde. Es gibt Interpretationen die von einem realen runden Tisch bis zu Geländeformationen gehen. Eine Auslegung ist auch, dass es sich bei der Tafelrunde um den gleichen Orden handelt wie bei dem um die Gralsritter. Nämlich einem religiösen Orden von frommen Anführern angelehnt an die Geschichte des letzten Abendmahls, was ja auch eine Tafelrunde im weiteren Sinne gewesen ist.

Es ist zumindest bekannt, dass Artus und die meisten Könige Britanniens zu seiner Zeit dem keltischen Christentum angehörten und dieses auch im Reich verbreiten wollten. Die Gralsburg war wohl ein Ort auf der Isle of Man die von Artus erbaut wurde um einen heiligen Ort für die Bestattung der Gebeine seiner Linie zu erhalten. Des weiteren wurden dort auch die Schätze des Reiches aufbewahrt. Die Tafelrunde war dementsprechend wohl nichts anderes als ein Kriegerorden der es sich zur vornehmen Aufgabe gemacht hat, das Reich weiterhin zu christianisieren und für die Werte des Christentums einzustehen. Der Hauptstützpunkt war die Gralsburg.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu Merlin.

Merlin war wohl so eine Art Mentor von Artus. Mit ziemlicher Sicherheit kein Druide des alten Glaubens. Denn das widerspräche dem offensichtlichen christlichen Eifer des Artus. Merlin war wohl auch so eine Art Reichsberater und offizieller Geschichtsschreiber des Königs. Es ist aus Texten bekannt, dass er in Abwesenheit von Artus und Lancelot auch die Tafelrunde leitete. Wahrscheinlich fungierte er auch als Astronom, denn daraus ließen sich seine Prophezeiungen herleiten.

Schlussbemerkung

Ich hoffe der Text um den möglicherweise wahren Artus hat die Fantasie und das Mysterium um diesen legendären Helden und seine Ritter herum nicht allzu sehr getrübt.

Wer wirklich Interesse und ausreichend Zeit hat, sich mit der Thematik intensiver zu befassen, dem sei von mir das Buch "Die Ritter von Camelot - König Artus, der Gral und die Entschlüsselung einer Legende" von Norma Lorre Goodrich ans Herz gelegt. Es ist im C. H. Beck Verlag erschienen und ist eine eher wissenschaftliche Zusammenfassung und Analyse aller vorhandenen Quellen zu dieser Thematik und wohl auch die derzeit einzige dieser Art auf dem Buchmarkt.


-ev-

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