Batman

Aus SDNV
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Superman 1938 einen unglaublichen Erfolg hatte, gierte der Verlag (damals noch ein Vorläufer von DC) nach einem weiteren Superhelden, der gleiches vollbrachte. Der Redakteur Vincent Sullivan gab Bob Kane den Auftrag. Dieser war gerade 22 Jahre alt und hatte schon einige Comics für den Verlag gezeichnet.


Bob ließ sich schnell inspirieren von "The Mask of Zorro", Leonardo da Vincis Flugmaschine, dem ersten Dracula-Film mit Bela Lugosi - all das formte sich zu einer Idee des düsteren Helden im Outfit einer Fledermaus. Doch er brauchte einen kreativen Autor für die Geschichten.


Er wandte sich an Bill Fingers. Die beiden kannten sich von der Highschool, und obwohl Bill zu der Zeit als Schuhverkäufer arbeitete, fand er noch Zeit mit Bob einige Comicstrips zu entwerfen. Er besaß die Fähigkeit in Bildern zu denken. Dadurch waren seine Geschichten für Zeichner gut umsetzbar. Bill schlug einige Änderungen vor z.B. statt fester Flügel ein wallendes Cape, eine bessere Maske. Auch erfand er den Namen Bruce Wayne. Gemeinsam entwickelten sie Geschichten. Es sollte von Anfang an ein düsteres Comic sein, nicht zu grell und vor allem raffiniert (auf dem Niveau der damaligen Comics). Detektivgeschichten boten sich an. Gleichzeitig verbot sich dadurch ein Held mit zu starken Superkräften. Wo Superman einfach durch eine Wand blickt muss der neue Held kombinieren oder erfinderisch sein.


Im Mai 1939, nur ein knappes Jahr nach Superman, erschien in der Serie "Detective Story #27" die erste Batman-Geschichte:

Der junge Bruce Wayne muss den gewaltsamen Tod seiner Eltern mit ansehen. Sein Vater will einen Straßendieb an einem Raub hindern und wird von diesem erschossen. Seine Mutter stirbt am Schock. An ihren Gräbern schwört der Junge, jeden Kriminellen zu bekämpfen. Er trainiert seinen Körper bis zur Perfektion in allen athletischen und kämpferischen Sportarten. Zudem wird er ein Meister in Kriminalwissenschaften. Als Symbol und Kostüm wählt er die Fledermaus, denn der unheimliche Nachtbewohner soll Furcht in die Herzen der Verbrecher bringen. Und er schützt damit sein Privatleben. Von seinen Eltern hat er ein beträchtliches Vermögen geerbt, welches ihm vieles erleichtert.

Diese Ausgabe wird heute mit 150.00 $ gehandelt.


Batman kam gut an. Er bildete einen guten Gegensatz zu Superman. Batman agiert bei Nacht, kämpft gegen die düsteren Elemente in einer dunklen Stadt. Wo Superman einfach nur helfen will, sinnt Batman auf Rache und Gerechtigkeit. Was ihn aber besonders interessant macht ist das Fehlen von Superfähigkeiten. Er wird dadurch verwundbarer, muss mehr planen, schneller denken und seine Geheimidentität wahren. Der Aufbau der Geschichten, in denen der Held sowohl als scharfsinniger Denker als auch als perfekter Kämpfer hervortreten kann, war für die damalige Zeit sehr packend, zumal Bill Fingers die Kampfszenen so gestaltete als wenn eine Kamera das ganze filmen würde: unterschiedliche Perspektiven, Einzelzeichnungen von Schläger...

Batman war noch nicht lange auf dem Markt als Bob Kane einen weiteren "Mann" ins Team holte: Jerry Robinson.


Bob traf Jerry in einem Feriencamp bei einem Tennisspiel. Jerry hatte seine Jacke mit eigenen Zeichnungen versehen, die Bob auf Anhieb gefielen. Er lud ihn ein nach New York zu kommen. Jerry hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Comicheft gelesen. Er war gerade mal 17 Jahre alt, trotzdem kam er mit und arbeitete für 6 $ die Woche. Er sah schnell die Schwächen von Bobs Zeichnungen und korrigierte sie. Die Anatomie der Figuren wurde korrekter, die Strukturen eleganter. Die Serie kam sofort besser an. Schnell erhielt er den Spitznamen "Robin, the Boy Wonder". Und auch wenn Bob Kane hartnäckig behauptet der Name der Figur des Robin wäre von "Robin Hood" inspiriert, glaubt ihm das wohl niemand.


In der Ausgabe "Detective Story #38" taucht Robin das erste Mal auf. Er war damit der erste Juniorpartner eines Superhelden in der Geschichte des Comics. Er war hauptsächlich dafür gedacht das jüngere Publikum anzusprechen. Er musste noch cleverer sein als Batman, weil er noch verwundbarer war. Tatsächlich bot sich nun aber für Batman die Möglichkeit, sich mit jemandem auszutauschen. Die launigen Dialoge zwischen den beiden wurden ein Markenzeichen der Serie.


Robin heißt eigentlich Dick Grayson und bildete mit seinen Eltern die Trapezakrobaten "The Flying Graysons". Gerade bei einer Aufführung riss ein Seil und seine Eltern stürzten in den Tod. Dick belauschte ein Gespräch, indem er erfuhr dass seine Eltern getötet wurden um Schutzgelder vom Zirkus zu erpressen. Mit Batmans Hilfe stellte er die Schurken. Dabei erlangte er Batmans Respekt. Bruce Wayne adoptierte ihn und sie entwarfen ein Kostüm für Dick. Robin war geboren.


Später stieß dann noch Gardner Fox zum Team dazu. Er war schon ein bekannter Autor, der bereits diverse Romane veröffentlicht hatte. Fox sorgte für glaubhaft wirkende technische Spielereien und Effekte. Zudem brachte er eine gewisse Reife in die Geschichten.


Die Serie nahm ihren Lauf. Batman kämpfte gegen die Nazis und griff auch mal zur normalen Pistole anstatt auf Technik zurück. Es entstand die Serie Batman, aber der Held kämpfte auch weiter in Ausgaben der "Detective Story".


Batman #1 war insofern ein Highlight, da hier der Joker zum ersten Mal auftauchte. Wer den Joker erfunden hat ist strittig - Bob oder "Robin". Bob Kane beansprucht die Figur für sich, wie er auch den Ruhm für alles einstrich und nicht ein kleines bisschen seinen Assistenten gönnt. Nicht umsonst steht in jeder Ausgabe "Batman wurde von Bob Kane erfunden", obwohl die Figur ohne den Rest der Mannschaft, insbesondere Bill Fingers, nie den erreichten Erfolg gehabt hätte. So ist zum Beispiel die Bat-Höhle exakt nach einem Bild aus der Zeitschrift "Popular Science" entstanden. Bill entdeckte das Foto und zeigte es Bob. Dieser setzte es 1:1 um - und strich den ganzen Ruhm ein!


Es ist auch Bill Fingers zu verdanken, dass der Joker überhaupt überleben durfte. Der Planung nach sollte er nur den einen Auftritt in Batman #1 haben und am Ende sterben. Doch in der Redaktion kam dieser verrückte Schurke so gut an, dass Bill schnell ein neues Ende schrieb, in dem der Joker entkam.

In den 50er Jahren gab es dann eine allgemeine Flaute auf dem Comic-Markt. Die Nazis waren besiegt und nach 15 Jahren begannen die Geschichten sich zu wiederholen. Viele Autoren, die viele der Batman-Stories geschrieben hatten, verließen den Verlag, neue, weniger begabte Schreiber kamen hinzu. Die Geschichten wurden immer abgedrehter. Batman reiste durch magische Portale, kämpfte gegen Roboter und Aliens und führte seinen Feldzug sogar in andere Welten anstatt in seinem natürlichem Revier, der düsteren Großstadt Gotham City.


Im Zuge dieser Experimente arbeitet Batman auch mit der neu gegründeten Justice League of America zusammen. In dieser Serie haben die Macher von DC die populärsten Helden ihres Verlages zu einem Team zusammen geschmiedet. Obwohl Batman offizielles Mitglieder der Gruppe war, hatte er nur Gastauftritte. Die Serie funktionierte auch ohne ihn.


Erst 1964 kam es zu einer Renaissance von Batman. Chefredakteur Julius Schwartz und Zeichner Carmine Infantino kreierten einen neuen Look. Die Geschichten wurden wieder detektivischer und der moderne Detektiv, der seine Fälle lieber mit Kombinationsgabe und Technik als mit Fäusten löste kehrte zurück. Außerdem versuchten sie den erfolgreichen Stil von Marvel zu kopieren. Danach steht nicht der Superheld sondern der Mensch im Kostüm mit all seinen Problemen im Vordergrund.


Leider kam den beiden das Fernsehen dazwischen. Batman bekam eine eigene Fernsehserie und es wurde auch ein (sehr schlechter) Film gedreht. Die Comicserie boomte. Doch um die Erwartungen zu erfüllen musste Batman mehr Aktion bringen, bunter sein. Die Superschurken schossen nur so aus dem Boden. Dies war die Zeit in der Poison Ivy, die wunderschöne Pflanzenfrau mit dem tödlichen Kuss und den enormen Verführungskünsten entstand.


Erst als 1968 die Fernsehserie eingestellt wurde, konnten Schwartz und Infantino zu ihrem Stil zurückkehren. Gleich als erstes schmissen sie Robin aus der Serie. Sie wollten zeigen dass auch Dick Grayson sich weiter entwickelt hatte und schickten ihn erst einmal aufs College. Die Superschurken verschwanden und Batman stellte sich wieder den normalen Schurken.


Bruce Wayne zog von seinem Landsitz in ein schickes Penthouse und auch das alte Batmobil (erst ein blauer Roadster, dann ein wendiger Sportflitzer) wurde zu einem Turbo-Sportwagen mit automatischem Garagenöffner für die Bathöhle und Rauchkanone. Batman musste sich normalen Problemen stellen wie z.B. angeschossen oder als Bruce Wayne bedroht zu werden.


Es kamen jüngere Autoren ins Team, welche die aktuellen Zeitströmungen der Popkultur besser einbringen konnten. 1970 übernahm das Team Neal Adam als Zeichner und Dennis O'Neill (ein Ex-Journalist) als Autor die Serie. Batman wurde grimmiger, insgesamt realistischer und wandte sich aktuellen Zeitproblemen wie Drogenmissbrauch zu. Nach einiger Zeit kam ein neuer Robin an Batmans Seite, ein Straßenjungen namens Jason Todd, den Batman erwischte, als er sein Batmobil aufbrach. Doch als die Schwulenbewegung aufkam waren die Redakteure im Zweifel ob sie die beiden noch zusammen agieren lassen konnten. Es kam zu einer Leserabstimmung, ob Robin bei einem Kampf mit dem Joker sterben sollte oder nicht. Robin verlor.


Der Original-Robin Dick Grayson war inzwischen erwachsen und hatte sich zu dem Superhelden Nightwing gemausert.


Erst 1989 kam ein neuer Robin zu der Serie, Tim Drake, der sich so gut einfügte, dass er bis heute noch mitmischt.


1993 gab es dann doch mal einen entscheidenden Einschnitt in der Serie. In einem Kampf gegen den Superschurken Bane wird Batman das Rückgrat gebrochen, woraufhin er und sein Alter Ego Bruce Wayne querschnittsgelähmt sind. Als Folge davon schlüpft ein Freund, Jean Paul Valley, in den Batsuit, wird aber wegen seiner Brutalität und Rücksichtslosigkeit bald von Nightwing abgelöst, bis Batman nach fast zwei Jahren geheilt zurückkehrt (Batman #515).

Den Rest der 90er Jahre schlägt sich Batman mit so ziemlich jeder anderen Comicfigur aus den Verlagen DC, Marvel u.a. herum und oft auch mit anderen Gegnern, z.B. Judge Dredd, Aliens, Captain America oder dem Predator. In den eigentlichen Batman-Heften werden meist lang gezogene Crossovergeschichten erzählt, die sich über zehn oder mehr Hefte unterschiedlicher Serien (Batman, Detective Comics, Nightwing etc.) ziehen. Der Grundton dieser Geschichten ist durchweg dunkel und pessimistisch.


Ein besonders Batman-Event sind die Serien von Frank Miller: "Batman: The Dark Knight Returns" (1986) und Batman: "The Dark Knight Strikes Again" (2002). Beide Serien spielen in einer alternativen Zukunft. Batman hatte sich bereits desillusioniert aus der Verbrechensbekämpfung zurückgezogen. Doch mit über 50 Jahren kehrt er zurück in eine Welt, in der Verbrecher nachsichtig behandelt werden und die Bevölkerung durch staatlich kontrollierte Medien manipuliert werden. Alle anderen Superhelden wurden von der amerikanischen Regierung "abgeschafft", mit Hilfe von Superman, der seinerseits zu einer Marionette der Herrschenden geworden ist. Robin ist ein dreizehnjähriges Mädchen und das Batmobil ist ein Panzer. Diese Serien sind mit Abstand die dunkelsten Abenteuer in der gesamten Batman-Geschichte.


-sw-

Meine Werkzeuge