Buchkritik:Die Nebel von Avalon und Der Falke des Lichts

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Die Nebel von Avalon

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mag Marion Zimmer Bradley, sie gehört zu meinen Lieblingsautorinnen und ihr Darkover-Zyklus ist einfach eine wunderbare Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Natürlich sind die meisten ihrer Romane etwas feministisch, aber sie lassen sich gut lesen. Bei ihrem Bestseller "Die Nebel von Avalon" ist sie jedoch irgendwie vom Weg abgekommen.


Die Handlung des Buches dreht sich um Morgaine, Halbschwester von König Artus, Priesterin von Avalon, Bewahrerin des alten Glaubens und Schwester von Morgause, welche König Lot heiratete. Morgaine erlebt wie ihr Vater stirbt und ihre Mutter, Königin Igraine, den Pendragon Uther heiratet. Aus der Ehe geht Artus hervor. Morgaine kümmert sich liebevoll um ihren Halbbruder bis die beiden Kinder getrennt werden. Artus wird zur Sicherheit weit weg in die Bretagne geschickt und Morgaine nach Avalon. Sie besitzt das zweite Gesicht und ist die Nichte der Herrscherin der Insel, Viviane. Aus diesem Grunde ist sie ausersehen eines Tages selbst die Hohepriesterin der Göttin zu werden.


So vergehen viele Jahre. Morgaine erlangt große Zauberkräfte. Von den Kriegen im Lande gegen die Sachsen gelangt nur weniges auf die Insel Avalon. Uther stirbt. Britannien droht im Chaos zu versinken. Es gibt jedoch einen jungen Mann der die Nachfolge antreten kann. Die Christen im Lande sind auf seiner Seite, doch die Anhänger des alten Glaubens an den Gott und die Göttin verlangen, dass er sich auf ihre Art mit den Land verbindet. Als Gehörnter wird er an Beltane mit der jungfräulichen Jägerin für eine Nacht vermählt. Sowohl für Morgaine als auch für Artus ist der Schock groß als die beiden Geschwister sich am nächsten Morgen erkennen. Dennoch trennen sich ihre Wege wieder in einer tiefen Freundschaft.. Morgaine übergibt Artus das heilige Schwert Avalons zusammen mit einer Schwertscheide, die Artus vor schweren Verletzungen schützt.

Doch bald stellt Morgaine fest, dass sie schwanger ist - von ihrem Bruder. Viviane hat alles von langer Hand geplant um so einen Herrscher zu schaffen, der erfüllt von der Macht des alten Glaubens ist. Morgaine fühlt sich missbraucht und flieht aus Avalon nach Norden auf die Orkneys. Das Kind bleibt unerkannt als Ziehsohn bei ihrer intriganten Schwester Morgause.

Morgaine geht an den Hof von König Artus nach Camelot. Dort wird sie erste Hofdame der Königin Gwenhwyfar. Die Königin ist eine junge und naive Frau, die ihr ganzes Selbstbewusstsein im christlichen Glauben findet. Doch ihr Einfluss auf Artus ist erheblich. Bemüht, seiner geliebten Frau jeden Wunsch zu erfüllen, wendet sich Artus immer mehr vom alten Glauben ab und kämpft nur noch unter der Fahne des Christentums.

Morgaine ist innerlich zerrissen. Sie liebt Lancelot, der jedoch nur Augen für die Königin hat. Artus liebt Morgaine, doch die Sünde treibt beide voneinander fort. Morgaine ist entsetzt über Artus Zuwendung zum Christentum, gleichzeitig kann sie selber nicht mehr nach Avalon. Bei einem Versuch landet sie im Reich der Feen, und als sie Jahre später wiederkehrt ist die Welt noch christlicher geworden.


Es dauert lange Jahre bis Morgaine wieder ihre Zaubermacht als Priesterin wiedererlangt. Sie heiratet in der Zeit aufgrund einer Intrige Gwenhwyfars, obwohl sie den Sohn ihres Mannes liebt. Nachdem Artus sich ganz dem Christentum zugewendet hat versucht sie Artus das heilige Schwert und die Scheide abzunehmen und ihren Geliebten auf den Thron zu setzen. Doch Artus siegt. Morgaine findet den Weg nach Avalon zurück und nimmt dort die Stelle ihrer verstorbenen Tante als Hohepriesterin ein.


Inzwischen ist Mordred erwachsen und gelangt an den Hof von König Artus. Der Niedergang der Tafelrunde beginnt. Als der neue Merlin die heiligen Symbole der Götter der christlichen Kirche übergibt, nutzt Morgaine ihre Macht und schickt den Kelch der Göttin in die Zwischenwelt. Die Legende vom heiligen Gral ist geboren und sorgt endgültig für den Niedergang von König Artus. Es kommt zum Kampf zwischen Mordred und Artus. Morgaine holt den sterbenden Sieger Artus nach Avalon ebenso wie Excalibur.


Wie schon gesagt, es geht um das Leben einer Priesterin des alten Glaubens in einer mittelalterlichen Welt im Kampf mit sich, dem Christentum und den Lehren ihrer eigenen Religion und ihrer Liebe zu diversen Männern. Es ist definitiv mal eine andere Sichtweise der Artus-Legende. Leider fehlt es dem Buch an Spannung, einer inneren Logik und einen Bezug zur Realität. Es gab Kämpfe mit den Sachsen, Artus gewann. Auf diese Weise werden so ziemlich alle Schlachten und Auseinandersetzungen abgehandelt. Gwenhwyfar, Königin des Landes, Herrscherin über Camelot und damit auch seine oberste Verwalterin wird zu einer dummen Pute degradiert, die so gläubig ist, dass sie keinen gesunden Menschenverstand mehr besitzt. Vom normalen Leben in dieser Zeit bekommt man so gut wie gar nichts mit. Dafür gibt es haufenweise theologische Diskussionen, die sich aber leider ständig wiederholen und bis auf das erste Mal wenig Stoff zum Nachdenken geben und dann nur noch langweilen.

Während am Christentum fast kein gutes Haar gelassen wird, muss man genau hinschauen um an der alten Religion die Fehler zu erkennen. Zudem werden merkwürdige Handlungen der Charaktere besonders im letzten Drittel des Roman meist mit dem Willen der Götter erklärt. So liefert der oberste Druide den Heiligen Kelch an die Kirche aus. Es war der Wille der Götter. Blödsinn. Entweder wollte der Druide Frieden oder er war verliebt oder verrückt oder, oder, oder. Das geht besser! Um es kurz zu machen: Interessant ist das Buch im ersten Drittel durchaus, mit dem alten Glauben, Morgaines Sichtweise und einigen alternativen Darstellungen der Artus-Legende. Danach kann man diesen Bestseller getrost weglegen.

Der Falke des Lichts

Gawain. Held der Tafelrunde und enger Freund von König Artus. Glorreicher Kämpfer und Sohn von König Lot von der Orkneys und Artus böser Schwester Morgause. Aus diesen Teilen der Legenden um Gawain spinnt Gillian Bradshaw eine wunderbare Geschichte, in der geschickt die Mystik und Magie der Sage mit der harten Realität des frühen Mittelalters verbunden werden.

Gawain ist noch ein Junge von vierzehn Jahren, dessen einzige Talente im Reiten und Harfe spielen liegen. Gehänselt von seinem älteren Bruder Agravain und verachtete von seinem Vater Lot wendet er sich seiner Mutter Morgause zu, die ihm nicht nur Lesen und Schreiben, Latein und Naturwissenschaften beibringt, sondern ihn auch zur dunklen Magie verführt. Erst als auch sein jüngerer geliebter Bruder Modred ebenfalls dieser Magie verfällt, erkennt Gawain wie weit er sich schon vom Licht entfernt hat und bereut es. Er flieht vor dem Zorn seiner Mutter, die sich nicht scheut Dämonen hinter ihm her zu schicken, damit er ihr Treiben nicht verraten kann.

Gawain betet zu Lugh, dem Herrn des Lichtes und Ahnherren der Familie, und schwört für immer dem Guten zu dienen. Sein Gebet wird erhört und er gelangt in das Land der Sidhe. Dort nimmt Lugh den Schwur an und überreicht ihm das Zauberschwert Caledvwlch. Dann schickt er ihn wieder zurück.

Als Gawain zu sich kommt stellt er fest, das einiges an Jahren vergangen ist. Seine Schuhe sind ihm längst zu klein und er befindet sich weit südlich von den Orkneys. Er macht sich auf den Weg nach Camlann um sich König Artus Kampf für das Gute anzuschließen - und läuft gleich erst einmal den feindlichen Sachsen in die Hände. Gawain muss geschickt lügen und sich dem König der Sachsen und seinem bösen Zauberer widersetzen, doch schließlich gelingt ihm die Flucht.

Bald stößt er auf einen Trupp Ritter der Tafelrunde, die gerade dabei sind Korn für die gewaltige Reiterei des Königs zu konfiszieren und einem geizigen Kloster das Ale abzunehmen. Zu seinem Erstaunen befindet sich auch sein Bruder Agravain unter ihnen. Als Lot eine Schlacht gegen Artus verlor, musste Agravain als Geisel nach Camelot und begann König Artus zu verehren. Sein Bruder ist begeistert den todgeglaubten Gawain wiederzusehen. Jedoch ist er sehr skeptisch wie Gawain für Artus Sache streiten will - schließlich ist sein kleiner Bruder ein lausiger Kämpfer. Außerdem ist ihm ein Ruf als Zauberer vorausgeeilt - jeder der anderen Ritter, besonders Cei, ist äußerst misstrauisch. Und dazu kommt noch seine merkwürdige Geschichte von Land der Sidhe.

Für Gawain beginnt eine harte Zeit, selbst als sich herausstellt, dass er als Krieger besser ist als die meisten anderen. König Artus behandelt den Sohn seiner Schwester mit kühler Missachtung und verweigert ihm einen Platz in der Tafelrunde.

Gawain bleibt jedoch am Hofe und kämpft auch ohne Artus Einwilligung für ihn. Irgendwann, so sagt er sich, wird Artus schon erkennen, dass sie beide für das Licht kämpfen. Er übernimmt schwierige Missionen, tut sich in Schlachten hervor und gewinnt Freunde. Doch Artus bleibt hart, worauf viele der Ritter mit Unverständnis reagieren. Die Tafelrunde droht sich zu entzweien als es zur entscheidenden Schlacht zwischen den Sachsen und König Artus kommt.

Die Geschichte hatte mich sehr schnell gepackt. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten lässt die Autorin den ganzen Disput zwischen altem Glauben und Christentum beiseite, verzichtet auf die vielen verwirrenden Verwandtschaftsverhältnisse und lässt die noblen Ritter mal ganz alltägliche Sorgen haben wie: "Wo kriegen wir genügend Korn für die Pferde her, welche Farbe sollte ein Mantel haben, wie werden die Verletzten versorgt und ist noch heißes Met da?" Dadurch wirkt alles wesentlich lebendiger.

Leider hat die Autorin es versäumt eine Karte mit beizulegen. Die Figuren in der Geschichte sind kreuz und quer auf der Insel unterwegs, wobei für die ganzen Gegenden und Städte alte Namen verwendet werden. Abgesehen von Norden, Osten, Süden verliert man dabei schnell die Orientierung.


Von Gillian Bradshaw sind noch zwei weitere Bücher zum gleichen Thema erschienen:

"Königreich des Sommers", eine Art Fortsetzung des "Falken des Lichts". Der Roman spielt einige Zeit später und schildert Gawains Abenteuer aus der Sicht seines Dieners. "Die Krone von Camelot" schildert die Geschehnisse am Hofe von König Artus aus Sicht der Königin Gwynwyfar und ihrer unglücklichen Liebe zu Bedwyr.


-sw-

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