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Das Medium des Superhelden

Bildergeschichten sind so alt wie die Menschheit selbst. Schon der Urmensch malte den Verlauf einer Jagd an seine heimische Höhlenwand. Die Ägypter zeichneten bereits ganze Bilderfolgen mit begleitenden Texten an ihre Heiligtümer. Schon die Tempel der Antike zierten die heroischen Reliefs mit den Göttergeschichten. Der siebzig Meter lange Teppich von Bayeux erzählt die Geschichte der Normanneninvasion in England. Selbst der einfache Mann im Mittelalter erkannte die einzelnen Heiligen, da jeder mit unverwechselbaren Attributen ausgestattet war. Petrus hält den Schlüssel, der heilige St. Georg tötet den Drachen. Die Kirchen sind mit den Bildern der Leidensgeschichte Jesus geschmückt. Es gab sogar schon den ersten Vorläufer der Sprechblase, die so genannte Mundfahne. Im neunzehnten Jahrhundert wurden mit der Alphabetisierung der Massen Zeitungen immer wichtiger, Romanhefte und Magazine kamen auf und waren zum allgemeinen Verständnis reich bebildert. Karikaturen zeigten schon viele Charakteristika der heutigen Comics. Körperliche Verfremdung, große Nasen, Verschmelzungen zwischen Mensch und Tier und natürlich die Sprechblase. Der Comic-Strip entstand etwa 1895/96 als farbiger Bildbogen in den Wochenendbeilagen der US-Zeitungen auf den Funny- oder Comic-Pages. Heute gilt "The Yellow Kid" (5.5.1895 in der "New York World") als die erste echte Comicfigur; "The Katzenjammer Kids" (1897), die den beiden Lausbuben Max und Moritz von Wilhelm Busch nachempfunden waren, war die erste echte Comicserie und auch die langlebigste. ES GIBT SIE HEUTE NOCH!! "The Yellow Kid" stieg schnell zur ersten großen Comic-Persönlichkeit auf und brachte auch als Werbeträger Geld in die Kassen. Gleichzeitig war er auch die erste Comic-Figur um die ein Rechtsstreit ausbrach. Um die kleine Figur in ihrem gelben Nachthemd wurde so viel Aufhebens gemacht, dass dadurch der Begriff "Yellow Press" für "Skandalpresse" entstand. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts (1907) eroberte der Comic-Strip in kleinerer Form (einzeilig mit zwei bis vier Bildern) und schwarzweiß die Tageszeitungen. Bis 1929 waren die Comic-Strips rein auf den komischen Effekt ausgerichtet.


Dann trat zum ersten Mal ein realistisch gezeichneter Fortsetzung-Strip mit einem Helden auf, der ernst genommen werden wollte. Tarzan von Hal Foster und Buck Rogers von J. F. Dille und Co. starteten beide am 7.1.1929 um ihre Welt zu retten. Weitere Helden mit immer phantastischeren Backgrounds folgten. 1931 begann Dick Tracy (von Chester Gould) seine Ermittlungen, Flash Gordon (Alex Raymonds) folgte 1934 Buck Rogers ins All, das Phantom (Lee Falk u. Ray Moore) lehrt seit 1936 den Schurken das Fürchten und Prinz Eisenherz (wieder von Hal Foster) reitet seit 1937 für König Artus. Das Phantom hatte zwar schon Kostüm und eine Geheimidentität, doch irgend etwas fehlte noch. Er benutzte konventionelle Gadgets und bekämpfte damit normale Menschen (Piraten, Räuber, Kannibalen). Das Comic-Heft selbst existiert seit 1933. Meistens bunt und mit etwa 64 Seiten bietet es eine oder mehrere abgeschlossene Geschichten, wobei sich häufig zwei oder mehr Serien ein Heft teilen. Außerdem handelte sich dabei immer nur um Nachdrucke von Comicstrips in den Zeitungen. Ein Heft kostete 10 Cent und enthielt so gut wie keine Werbung.


Und dann kam Superman. 1938 von den jungen Burschen Joe Shuster und Jerry Siegel erfunden revolutionierte er den Comic. Ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten hielt er seine Leserschaft von Anfang an in Atem. Er war der erste Held der ausschließlich für das Comicheft gemacht wurde und nicht einen Vorläufer in einer Zeitung hatte. Auch war Superman der erste Held der eine eigene Serie erhielt und sich nicht ein Heft mit anderen teilen musste. Ein Jahr später folgte dann Batman von Bob Kane. Zusammen läuteten sie das "Goldene Zeitalter der Superhelden" ein.


Wie auch Superman erschien Batman bei DC, dem damals größten und, wie es sich herausstellen sollte, auch der langlebigste aller Verlage. DC hieß bis 1939 noch National, änderte aber aufgrund seiner Geschichtenauswahl den Namen in Detective Comics. Es folgten schnell weitere Helden wie Wonder Woman und die Grüne Laterne! Und es entstand auch das erste Superheldenteam der Geschichte, die "League of Justice". Batman und Superman gehörten diesem Team ebenfalls an, aber sie tauchten nur selten auf. Andere Mitglieder wie Wonder Woman, Green Lantern und Aquaman bewährten und verkauften sich dennoch hervorragend.


Ebenso wollte sich ein gewisser Martin Goodman mit Superhelden eine goldene Nase verdienen (ihm gehörte zu diesem Zeitpunkt der größte Konzern für den Ankauf und Vertrieb von Comics und Comicserien: Atlas). Zu diesem Zweck gründete er 1939 den Verlag "Timely" und setzte den damals gerade mal 22jährigen Stan Lee als Redakteur ein. Hier wurden Helden wie Captain America, Dämon und die Menschliche Fackel erfunden. Aber auch die erste Superheldin: Die Schwarze Witwe. Sie arbeitete für den Teufel und sollte für ihn die Verbrecher finden und töten, damit sie eher in der Hölle landen würden. Wonder Woman entstand tatsächlich erst 1 ½ Jahre später obwohl sie ungleich populärer wurde.

Besonders der Zweite Weltkrieg bescherte der gesamten Branche einen unendlichen Boom. Wie die echten Soldaten in Europa und dem Pazifik kämpften, so stellten sich auch die Superhelden den Nazis, Hitler und den Japanern.


Doch als der Krieg zu Ende war sanken auch die Verkaufszahlen. Gegen wen sollten die Helden noch kämpfen? Viele Verlage gingen pleite, andere mussten ganze Serie einstellen. Einzig DC schaffte es jedoch, dank Superman und Batman, relativ ungeschoren durch diese Krise zu kommen. Dies lag aber mehr an der Treue der Leser als an der Qualität der Comics lag. Timely ging sogar so weit seine Helden wortwörtlich auf Eis zu legen. Der Super-Patriot Captain America hatte ausgedient. Also fiel er nach einem heroischen Kampf in der Arktis ins Wasser - wo er zu einem Eisblock gefror und forttrieb…

Ein Verlag lebte jetzt erst richtig auf: EC (Educational Comics). Die Gründer, Schreiber und Zeichner waren ausnahmslos Ex-Soldaten, die nun nach Ende des Krieges nichts mehr zu tun hatten aber auch keine Arbeit fanden. Einer von ihn, Gary Arlington, hatte von seinem Onkel den Verlag geerbt, welcher sich bis zu diesem Zeitpunkt mehr mit Liebesgeschichten befasste. Und was dabei herauskommt, wenn frustrierte Front-kämpfer Comics machen waren das Mad-Magazin und äußerst blutrünstige Horrorcomics wie "Tales from the Crypt". Der Verlag wurde bald in Entertainment Comics umbenannt. Nach nur fünf Jahren musste der Verlag jedoch seine Arbeit wieder einstellen. Denn die Geschichten und Zeichnungen waren so extrem, dass die amerikanische Regierung einschritt und 1954 den Comic Code einführte.

Dieser reguliert noch bis heute eine die allgemeine Richtung der Comics. So war es nicht erlaubt die Details und Methoden für ein Verbrechen darzustellen. Alle Szenen in denen Horror vorkam, exzessive Blutbäder, brutale Folter, Verderbtheit, Lüsternheit, Sadismus, Masochismus oder unnötige Messerstechereien oder Schießereien waren verboten. Das Gute musste unter allen Umständen über das Böse siegen und Kriminalität musste bestraft werden. Liebe und Romantik waren nur akzeptiert wenn es sich dabei nicht um sexuelle Abnormalitäten handelte, Sex durfte niemals dargestellt werden und der Wert der Familie und der Ehe sollte betont wurden.


Bis auf das "Mad-Magazin" schaffte es keine der Serien aus dem EC-Verlag zu überleben. Zwar durfte ein Comic mit solchem kinderschädlichen Inhalt noch gedruckt werden, doch aus Angst vor Protesten weigerten sich die meisten Vertriebe Comics ohne "Code-Siegel" weiter zu verkaufen.

Die Comic Branche schleppte sich also so dahin. Aufgrund einiger Intrigen ging sogar der Atlas-Konzern 1958 pleite, so dass auch alle Mitarbeiter von Timely entlassen werden mussten.


Doch Stan Lee hielt nicht lange still. 1959 gründete er Marvel, den erfolgreichsten Verlag der Comic-Branche. Er spezialisierte sich völlig auf Superhelden. Erstes Flaggschiff waren die Fantastischen Vier, die erste Superheldengruppe die so etwas wie ein Familienleben hatte. Überhaupt spiegelten die Marvelhelden mehr den Zeitgeist wieder. Sie waren erfrischend jung und fehlerhaft im Vergleich zu dem unfehlbaren Helden von DC. Auch war die Welt wesentlich bunter und von Superschurken und Außerirdischen durchsetzt. Ebenso war es bei Marvel üblich die Helden verschiedener Serie in sogenannnten Cross-Over-Abenteuern miteinander oder gegeneinander antreten zu lassen, was ein völliges Novum in der Comic-Geschichte war.

Natürlich erinnerte man sich an seine alten und erfolgreichen Helden aus der "Timely"-Zeit und so reaktivierte man die alten Helden wieder in einem frischeren Look. So wurde Captain Americas Eisblock von Eskimos gefunden, als Gott angebetet und dann aufgetaut. Doch der große Durchbruch kam erst mit Spider-Man. Dieser absolut menschliche Held wurde zum Inbegriff des Marvel-Verlages. Mit ihm fing das "Silberne Zeitalter der Superhelden" an. Allerdings muß man dazu sagen, dass es dabei um einen alleinigen Konkurrenzkampf zwischen Marvel und DC ging.


Gut, es gab auch noch andere Verlage wie Fawcett. Dieser Verlag hatte bis 1940 witzige Comics herausgebracht, sich dann aber am Superheldentum versucht, u.a. mit Captain Marvel. Dieser war Superman jedoch so ähnlich, das DC gegen Fawcett klagte. Man einigte sich außergerichtlich und Fawcett stellte den Betrieb ein.


Eclipse Comics hatten lange Jahre große Erfolge, allerdings eher mit witzigen Superhelden wie "The Destroying Duck", " Zot!", "Mr. Monster" oder "Son of Celluloid". Wie ein Vorreiter zum späteren Image-Verlag behielt der Künstler die Rechte an seiner Kreation. Heute besitzt Todd McFarlane (s.u.) Kontrolle über die wichtigsten und ertragreichsten Produkte der Eclipse Comics.


Bei DC war man inzwischen so lange in der Branche und noch dazu erfolgreich tätig, dass sich niemand die Mühe machte über eine Änderung nachzudenken. Es gab Superman und Batman, die erfolgreich liefen, dazu die "League of Justice" - eine Superheldengruppe in der auch Batman und Superman mitmischten, und viele Einzelserien. Ab und an schmiss man mal einen neuen Helden auf den Markt (bis heute noch erfolgreich: Sandman). Die Leute kamen morgens im Anzug in die Redaktion und gingen pünktlich zum Feierabend heim. Gelegentlich änderte sich mal der Zeichenstil aber es blieb alles beim Alten. Es gab keine große Entwicklung der Helden. Selbst als Marvel DC weit überflügelte hieß es noch Marvel wäre in sechs Monaten pleite und man hätte sowieso die besseren Künstler. Man würde mehr Wert auf Qualität legen.

Superhelden bei DC kämpften eher gegen normale Gegner wie Verbrecherbosse oder Schurken mit gefährlichen Erfindungen, waren daher also unspektakulärer. Die Geschichten liefen nach dem selben Schema ab und ließen keinen Raum für die Persönlichkeit hinter der Maske.


Bei Marvel herrschte dagegen Humor, Chaos und Stan Lee. Dieser überwachte alles, von den verschiedenen Serien, den Geschichten bis hin zu den Titelblättern. Eine Gängelei, die nicht jedem Künstler gefiel und das Arbeiten nicht immer einfach machte. Doch die Kombination mit einem roten Faden (Stan Lee) der durch das Chaos führte baute eine Spannung bei den Lesern auf die man vorher noch nicht gekannt hatte. Man wusste nie welcher Superheld diesmal mit den Fantastischen Vier kämpfen würde, immer wieder nahm der Verlag sich selber auf die Schippe, wenn z.B. die Gruppe X auf der Jagd nach einem Außerirdischen die halbe Marvel-Redaktion verwüstete, die Helden litten und freuten sich, immer wieder wurde ein eigentlich langweiliger Kampf durch die flapsigen Sprüche von Spider-Man aufgelockert oder weil innerhalb eines Teams Rivalitäten aufkamen. So verlor die Gruppe X in der Anfangszeit regelmäßig Kämpfe weil alle Männer Marvel-Girl beeindrucken wollten. Jeder Held hatte einen eigenen Entwicklungsstrang und eine eigene ganz persönliche Geschichte, was am besten bei Spider-Man zu sehen ist (s. Artikel: Spider-Man). Auch waren die Gegner im Marvel-Universum immer andere Superschurken oder mächtige Außerirdische. Den einfachen Bankräuber auf der Flucht oder den Geiselnehmer erledigten die Helden eher so nebenbei als Aufwärmübung.

Autoren, Künstler, Zeichner wechselten zwischen den Verlagen hin und her (allen voran Jack Kirby, er erfand Captain America, die Fantastischen Vier, Hulk, Thor…). Die Superhelden wurden menschlicher (denn auch bei DC lernte man dazu), die Zeichnungen besser, die Geschichten anspruchsvoller.


Jetzt kam Hollywood ins Spiel. Es gab Filme über Superman, Spider-Man, Captain America, sogar einen sehr schlechten Batman-Film. Im ganzen konnte damit die Popularität der Comics weder gesenkt noch gesteigert werden. Aber es führte besonders bei Marvel zu einem gewissen Status Quo. Weil die Verhandlungen mit den Film-Bossen und das Drehbuchschreiben viel Zeit kostete, gab Stan Lee die Devise aus: "Ihr dürft alles mit den Figuren machen, aber sie dürfen nicht sterben. Weggehen ja, aber nicht sterben oder unwiderruflich sich verändern!"


Der Verlag Dark Horse erlangte ab 1985 große Erfolge mit Comics die nach Filmen geschrieben wurden, d.h. man nahm eine Filmidee, z.B. Alien oder Predator und zog danach eine eigene Comicserie auf. Hierbei ließen sich auch andere Verlage auf Cross-Over ein. So kämpfe auch Superman auch gegen die Aliens!


Mit der Zeit ging auch durch die Kino-Devise der frische Flair von Marvel verloren. Man musste sich immer wieder neue Sachen einfallen lassen und Stan Lee hatte soviel zu tun, dass er tatsächlich etwas von der Kontrolle abgeben musste um die Menge der Comics zu überblicken. So wurden die Geschichten immer fantas-tischer und abgedrehter. Der rote Faden ging verloren. Man warf immer mehr Ableger einer Serie auf den Markt um mehr zu verdienen. So existierten z.B. um die Gruppe X eine Zeitlang bis zu acht Serien: The Uncanny X-Men (eigentlich X-Leute um Storm und Prof X), X-Men (eine Gruppe nicht so populärer X'er wie Polaris, Havok…), X-Man (Scott und Jean Greys Sohn aus einer alternativen Zukunft), Excalibur (britischer Ableger der Gruppe X), Bishop (X-Mann aus einer Zukunft), Wolverine (sagt alles, oder?), Generation X (der Nachwuchs der Gruppe X), X-Factor (die alte Gruppe X mit Cyclops) und immer wieder Mini-Serien um Solo-Abenteuer einzelner Helden wie. Rogue oder Kitty Pride. Da diese Serien auch immer wieder miteinander verknüpft waren, so dass ein Leser alle Hefte kaufen musste um eine komplette Geschichte zu haben. Ähnliches bei Spider-Man.


Bis dahin hatten die Künstler keinerlei Rechte an ihren Figuren. Ebenso waren sie an dem Erfolg ihrer erfundenen Helden in keinerlei Weise beteiligt. Der Künstler Todd McFarlane welcher große Erfolge bei Marvel gefeiert hatte, gründete daher den Image-Verlag. Hier erhielten die Künstler alle Rechte an ihren Figuren und damit auch erheblich mehr Geld als in den normalen Verlagen. Und hier brachten die jungen Künstler ebenso wieder frischen Wind in die Branche wie bei Marvel in seinen Anfangszeiten. Neue Helden, die mal wieder ganz anders waren als die alten. Härter, stärker proportioniert, mit weniger Skrupeln. Allen voran: Spawn, der erste schwarze Superheld mit einer eigenen Serie. (Ok, es gab da noch den "Schwarzen Panther", er hatte in den 70er bei Marvel eine Miniserie, war jedoch ein reicher Prinz aus Afrika und ging damit am Zielpublikum vorbei.)


Marvel stand 1996 kurz vor dem Bankrott. Zum einen hatte der Verlag weniger Wert auf Qualität gelegt und mehr auf die Treue der Fans gebaut. Ein Fehler, denn Hologramm-Karten und 3D-Cover machen eine schlechte Story nicht wieder wett. Dazu kam noch dass Marvel sich im Trading-Card-Bereich versuchte, dabei aber mangels eines guten Konzeptes herbe Verluste einstecken musste.

Jetzt stellte sich auch der Vorteil von den Marvel-Geschichten (eine kontinuierliche Entwicklung der Helden) als Nachteil heraus. Während sich Batman und Superman in ihrem Wesen nicht groß änderten und damit jederzeit das gleiche Publikum ansprechen konnten war z.B. Spider-Man erwachsen geworden. Aus dem Teenager von der Highschool war ein verheirateter Mann geworden, dessen erstes Kind bei der Geburt starb - nichts was die Kids von heute sonderlich anspricht.

Somit versuchte Marvel einen Neustart der Helden, der mehr dem heutigen Zeitgeist entspricht. Die Geschichte von Spider-Man wurde dabei völlig auf den Kopf gestellt, was zwar mehr jüngere Leser anspricht, aber die breite Masse der älteren Fans sehr verprellt. Auch wurden die meisten Serien eingestampft, so dass es bei Spider-Man nur noch zwei statt mal fünf gibt und die Gruppe X auch nur noch vier gibt.


DC hat dagegen seinen Stand gehalten. Durch Kontinuität blieb der Absatzmarkt erhalten. Ältere Leser sprangen ab, jüngere kamen hinzu. Man hatte nach gut 20 Jahren tatsächlich gelernt seine Helden etwas umzumodeln, sie menschlicher zu machen und ihnen Geschichte zu geben. Selbst Superman durfte einmal sterben. Es wurden einige Serien auf hohem Niveau herausgebracht, z.B. Frank Millers "Dark Knight"-Version von Batman oder die Serie "Sandman". Auch passte man sich der nachfolgenden Generation an indem man der alten "League of Justice" die "Young League of Justice" folgen ließ.


Heutzutage zählen Image, Marvel und DC zu den größten Comic-Verlagen. Besondern durch die vielen auf jeden Fall technisch guten Verfilmungen der letzten Jahre (Batman, Spawn, X-Men, Spider-Man) blieb das Interesse am Comic immer erhalten. Das Comicheft selber hat sich im Lauf der Zeit gewaltig geändert. Es ist heute gerade mal 32-Seiten stark, voll mit Werbung und kostet zwei bis drei Dollar. Beim Image-Verlag ist weiterhin Spawn der Vorreiter, bei DC Batman und bei Marvel Wolverine und Spider-Man.


Auch für den deutschen Leser hat sich die Situation deutlich gebessert. Früher gab es stark gekürzte Taschenbücher, bestenfalls eine kontinuierliche Serie. Alle anderen US-Erscheinungen wie Miniserien oder Sonderausgaben kamen wenn überhaupt völlig durcheinander auf den Markt.


Heute sind die Serien gebündelt. So finden sich in der deutschen X-Men-Ausgabe alle Abenteuer der verschiedenen X-Teams in einem Heft zusammen, außer Wolverine, der hat seine eigene Serie. Man hat sogar das sogenannte "Lettering" übernommen, d.h. die Sprechblasen werden von Hand geschrieben und nicht gedruckt, wodurch viel Platz für Worte verloren gehen würde. Auch sind durch das Lettering die Übersetzungen erheblich besser.

-sw-

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