Cowboys

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Der Cowboy bildet eine Legende für sich. Niemand aus diesem Gewerbe wurde wirklich berühmt, wenn man von Leuten wie Charles Goodnight absieht, welcher als einfacher Cowboy anfing und sich zum mächtigsten Rinderbaron hocharbeitete. Oder Ed Lemon, der Cowboy, der es mit über einer Million Rinder zu tun hatte. Die Zeit der Cowboys dauerte nur eine Generation vom Ende des Bürgerkrieges bis in die Mitte der achtziger Jahre. Durch die Verdrängung der Indianer und mit dem Abschlachten der Büffel stand das weite Land für die Zucht von Rindern offen, doch durch schlechte Wetterbedingungen, mieses Management und den Verfall des Rinderpreises ging die Branche langsam zugrunde.

Trotz allem Mythos und Ideal war der Cowboy nur ein schmutziger, überlasteter Arbeiter. Jeder dritte war Mexikaner, der Rest waren abgemusterte Soldaten und Einwanderer. Auch fanden sich viele Verbrecher unter ihnen, da es in diesen Kreisen als unhöflich galt nach der Vergangenheit eines Mannes zu fragen. Ein Cowboy erinnerte sich an die Standpauke seiner Mutter über schlechte Manieren, nur weil er als Kind einen Fremden am Lagerfeuer nach seinem Namen fragte.

Die Tracht der Cowboys war von der Praxis stark beeinflusst. Ein Hut gegen Sonne, Regen, Hagel und Zweige, zum Wasserholen und Feuerentfachen. Er durfte sogar beim Essen im Haus aufbehalten werden. Ein Tuch gegen Staub, Sand, Sonne und als Aderpresse gegen Schlangenbisse. Eine Weste mit vielen Taschen, da es beim Reiten unbequem war etwas in den Hosentaschen zu haben. Eine Hose, die an den Innenseite mit Hirschleder verstärkt war. Eine feste Jacke im Süden gegen Dornen bzw. ein langer Mantel im Norden gegen die Kälte. Handschuhe, obwohl manche diese kategorisch ablehnten, da man das Gefühl für das Lasso verlor. Lederne Beinschützer als Schutz, wenn sie das Vieh aus Dornengebüschen heraustreiben mussten, aber auch gegen Abschürfungen und Pferdebisse. Die Stiefel waren fast einen halben Meter hoch und eng anliegend (so dass nichts von oben hereinrutschte), von schmalem Schnitt (damit man ja nicht wie ein plattfüßiger Fußgänger wirkte) und mit schmaler Spitze, dünner Sohle und hohen Hacken, so dass man leicht in den Steigbügel hinein und hinaus kam. Viele Cowboys starben, weil sie vom Pferd mitgeschleift wurden.

Die wichtigsten Werkzeuge für den Cowboy waren Pferd und Lasso, wobei das Pferd wirklich nur als Ausrüstungsgegenstand angesehen wurde. Man kümmerte sich darum, aber man hatte keine gefühlsmäßige Bindung daran. Doch niemals ging ein Cowboy zu Fuß, wenn er auch reiten konnte. In einer Geschichte beschwerte sich ein Oststaatler, als ihn die Cowboys beim Einritt in einen Wüstensaloon anrempelten, beim Barkeeper. Der schaute ihn nur kühl an und fragte: „Was, zum Teufel machen Sie hier überhaupt zu Fuß?“ Mit dem Lasso war ein 65 kg schwerer Mann in der Lage ein Tier von einer knappen halben Tonne Gewicht zu bezwingen. Es wurde benutzt um schnell einen Seil-Corral zu bauen, als Fessel für Tier und Mensch, um Feuerholz hinterher zu ziehen oder ein Rind aus Morast oder bei Pferdediebstahl als Henkersschlinge.

Der Revolver diente zum Erlegen von Klapperschlangen oder Pferden, die sich ein Bein gebrochen hatten, oder um eine Stampede zu beenden. Schießereien unter den Cowboys gab es höchst selten. Sie erwarben sich nur einen wilden Ruf, wenn sie nach einem Trail wild in die Luft schießend in einen Saloon eindrangen – nur um später reumütig dem Wirt den Schaden zu ersetzen. Die Revolverduelle fanden fast ausschließlich zwischen Leuten der Unterwelt wie Glücksspielern und Schurken statt. Und auch das Gewehr wurde höchstens für die Jagd benutzt, da es nur schwer im Sattel mitgenommen werden konnte. Es scheuerte zu sehr zwischen Sattel und Bein und verhedderte sich im Lasso.

Die Cowboys selbst waren ein gleichmütiges, rassistisches, schweigsames, zu derben Scherzen neigendes Völkchen, welches sich selbst als die Aristokraten unter den Arbeitern des Westens ansah. Als ein Besucher einen Vorarbeiter auf der Ranch nach seinem Chef fragte, meinte dieser nur: „Der Hurensohn ist noch nicht geboren worden.“ Die wenigsten von ihnen konnten schreiben, waren aber in der Lage jedes Brandzeichen zwischen Texas und Nevada zu identifizieren und aufzumalen.

Cowboys waren in der Lage größten Unbill ohne ein Wort der Klage zu ertragen – das wäre gegen die Berufsehre gewesen. So hörten die Viehtreiber im Lager den Schuss eines Kameraden, der auf der Jagd war. Er kehrte zurück ins Lager und begann in aller Seelenruhe einen Stock anzuspitzen. Und während er sich damit das Pulver aus einer tiefen Schusswunde im Bein kratzte erklärte er ruhig, ein Schuss hätte sich versehentlich gelöst. Dann ritt er 60 km zum nächsten Arzt. Ein Cowboy erträgt Steppenfeuer, Treibsand und eine Stampede an einem Tag. An einigen Tagen muss er die Kandare seines Pferdes kühlen, damit es keine Brandblasen bekommt und dann wird es wieder so kalt, dass eine Geschichte entstanden ist von einem Cowboy, der mangels Holz vor Kälte erstarrte Schlangen als Pfähle benutzt hatte. Er soll dem Rancher das Geld wiedergegeben haben als sein Zaun am nächsten Tag bei Tauwetter davon kroch. Und dann der ständige nervenzerrende Wind der Great Plains. „Häng eine Kette an einen Pfosten. Weht der Wind die Kette vom Pfosten wird es ein ruhiger Tag. Wenn aber die Kettenglieder springen, mach die auf schlechtes Wetter gefasst.“ Lungenentzündung war nach Unfällen zu Pferd die zweithäufigste Todesursache.

Vielleicht beschwerten sich die Cowboys auch nur deshalb so selten, weil sie allgemein sehr schweigsam waren. So hörten zwei Gefährten draußen in der Nacht ein Muhen. Einer meinte: „Bulle.“ – Darauf der andere: „Kommt mir mehr wie ein alter Ochse vor.“ Am nächsten Morgen begann der eine seine Sachen zu packen. Der andere fragte: „Du haust ab?“ – „Ja, zuviel Streit hier.“ Gleichzeitig waren die Cowboys die perfekten Gentlemen. Eine tugendhafte Frau war für sie der Inbegriff der Verehrung. Sie konnten meilenweit reiten nur um eine Stunde auf einer Veranda zu sitzen und die Tochter des Farmers beim Gemüseputzen zu beobachten. Und ihre Mutter wusste um die Sicherheit ihrer Tochter.

Es gab unter den Cowboys auch eine Art ungeschriebenes Gesetz, ein Kodex des Westens, welcher alles regelte. Im einfachsten Fall war es ein Gebot der Fairness, aber oft war es auch die Grenze zwischen Frieden und Gewalt. Das wichtigste Gebot war das Wort eines Mannes. Es war absolut bindend. So wurde ein Cowboy der Ranch verwiesen, weil er einer Prostituierten nicht das versprochene Geld gab. Ein anderer akzeptierte einen Lohn von 75 Cent ohne zu murren für einen wochenlangen Trail, da die Vereinbarung besagte er würde den Gewinn aus der Herde abzüglich der Unkosten erhalten. Da ihm zwischendurch aber die Pferde starben musste er neue kaufen. Oft wechselte eine Rinderherde im Werte von 100.000 Dollar den Besitzer, wobei beide sich buchstabengetreu an ihre nur mündliche Vereinbarung hielten und die Herde nie in Augenschein genommen wurde.

Ein weiteres Gebot war die Gastfreundschaft, welche jedem vorbeiziehenden Cowboy ein Essen und ein Dach über dem Kopf für eine Nacht garantierte ohne dass nach Geld gefragt wurde – schließlich konnte jeder Rancher auf seiner nächsten Reise ein ähnliches Obdach brauchen. Als ein Rancher von zwei Cowboys tatsächlich 50 Cent für ein Essen verlangte, fingen sie einen Ochsen von ihm ein und brannten ihm über die ganze Flanke: Essen – 50 Cent! ein und ließen das Tier wieder laufen. So erfuhr jeder vorbeiziehende von der Schmach seines Besitzers.

Auch die Schlinge für den Pferdedieb – schnell und ohne Verhandlung – war ein Teil des Kodex. Kein Richter konnte dagegen etwas machen, zumal die Cowboys unter dem baumelnden Verbrecher oft noch Spitzhacke und Schaufel ließen – falls sich jemand die Mühe machen wollte ihn zu begraben. Gleiche Strenge wurde übrigens auch bei Schafzüchtern angewandt. Rinderdiebstahl dagegen in Maßen und unter Bekannten galt nicht als schweres Verbrechen.

Einige der Vorschriften waren sehr subtil. So durfte sich niemand aus dem String eines anderen ein Pferd entleihen. Wenn dieser jemand doch mal seine Erlaubnis dazu gab durfte das Pferd nicht geschlagen oder getreten werden. Begegneten sich zwei Cowboys auf dem Trail durften sie nicht die Richtung ändern und sollten im Vorbeireiten vielleicht ein paar freundliche Worte wechseln. Wer vom Trail abwich machte sich verdächtig - oder war gar gefährlich. Zu viele Begrüßungsworte galten allerdings als schlechtes Benehmen – es konnte ein Pferd scheu machen. Auch durfte ein Fußgänger einem Reiter nicht in die Zügel fallen weil man damit die Kontrolle des Reiters über sein Pferd behinderte. Im Alltag hatte ein Cowboy die Gatter hinter sich immer wieder zu verriegeln, beim Essen griff er sofort zu damit er nachfolgenden Kameraden nicht mehr im Wege war. Ein Rancher konnte den Lohn der Cowboys einfach auf die Erde stellen. Keiner würde sich an den Geldsäcken vergreifen bis sie in ein paar Tagen vorbei kamen.

Das Leben des Cowboys bestand aus drei Abschnitten im Jahr. Die Zeit auf der Ranch, in der man die Tiere fett werden ließ und sie „nur“ bewachen musste. Dann gab es zweimal im Jahr ein Roundup und anschließend einen Trail zum nächsten Rindermarkt. Und dann der lange eintönige und schneidend kalte Winter.

Auf der Ranch war die Arbeit eintönig, erniedrigend und anstrengend. Meistens bezogen einige Cowboys eine winzige Hütte im Grenzgebiet der Ranch. Dieser Außenposten lag oft mehr als hundert Meilen vom eigentlichen Haupthaus entfernt. Hier wachten sie darüber dass sich keine Rinder entfernten bzw. brachten sie zu besseren Weidegründen. Ständig mussten Rinder aus Schlammlöchern gezogen werden in die sie sich vor lauter Stechmücken flüchteten. Diese waren gerade im Spätfrühling so zahlreich, dass sie einen Jungbullen so dicht befallen konnten, dass er ganz grau aussah; waren sie dann wieder fortgeflogen, war er mit blutenden Wunden übersät. Gleiches galt natürlich auch für die Cowboys, wenn sie sich nicht schützen konnten. Hinzu kam noch die Behandlung gegen die Maden der Schraubwurmfliege, welche sich in jeder Wunde einnisteten. Und das bei Tausenden von Rindern in einer Herde! Und dann waren da noch die Viehdiebe welche Brandzeichen veränderten, Kälber stahlen oder einfach mal ein Rind schlachteten.

Deshalb waren die Roundups und die Trails eine willkommene, aber doch äußerst anstrengende Abwechslung.

In den Roundups wurden die Rinder überall auf der Ranch zusammengetrieben, aus Schluchten und steilen Felsenwänden, aus den Sümpfen und den Dornendickichten. Die Kälber wurden gebrandmarkt, die Hörner der aggressiven Tiere abgetrennt und die fetten Tiere für den Markt aussortiert.

Dann ging es auf den Trail zum nächsten Rindermarkt. Die Cowboys mussten die ganze Zeit aufpassen, dass die Rinder sich nicht davon machten oder trödelten. Gleichzeitig durften sie die Tiere nicht hetzen, da sie sonst wertvolles Gewicht verloren. Immer wieder mussten sie mit Indianern über die Passage von Territorien verhandeln

Das schlimmste was passieren konnte war eine Stampede. Dabei stürmen die Rinder aus irgend einem nichtigen Anlass auf einmal in Panik los. Dies konnte der Donner in einem Gewitter sein, aber es reichte auch schon das Jaulen eines Kojoten, das Aufflammen eines Streichholzes oder ein aufflatterndes Huhn. Einmal landete der Kautabakrest eines Cowboys im Auge eines Ochsen. In der folgenden Stampede starben zwei Reiter und 400 Rinder.

Der einzige Trost, der dem Cowboy blieb war das Essen. Ohne einen guten Koch fand ein Rancher keine guten Cowboys, die auch blieben wenn es ernst wurde. Denn das Essen (es gab immer Frischfleisch) war die einzige gute Abwechslung die dem Cowboy noch blieb.

Auf einem Rindertrail durch glühende Sonne oder strömenden Regen war der Cowboy über 18 Stunden jeden Tag für mehrere Wochen nur am schuften. Selbst wenn die Herde abends zur Ruhe kam, mussten die Cowboys sich noch um die ganzen Pferde kümmern, die schlimmsten Verletzungen der Rinder versorgen, Holz suchen und für frisches Fleisch sorgen zusätzlich zu ihrer anstrengenden Treiberarbeit. Und die wenige Stunden Schlaf wurden oft genug durch Viehdiebe, Indianer, Unwetter, Stampede und mehr gestört.. Beschwerte sich einer kam nur der Kommentar: „Was, zur Hölle beklagst du dich? Du kannst doch den ganzen Winter schlafen, wenn du in Montana bist.“

Der Winter war eintönig genug. Eingeschlossen vom Schnee und klirrender Kälte gingen die Männer hinaus um den dummen Rindern den Weg zu freigewehten Grasflächen zu bahnen, Wasserlöcher ins Eis zu schlagen oder Wölfe zu töten. Die wenigen Cowboys, die lesen konnten, waren am Ende des Winters in der Lage einen kompletten Katalog herunterzubeten, so oft hatten sie ihn gelesen.

Aus diesen Gründen blieb der durchschnittliche Cowboy nicht mehr als sieben Jahre in dem Gewerbe bevor er umsattelte oder selbst Rancher wurde mit einer kleinen Viehherde. -sw-

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