Der Basilisk - Der König der todbringenden Monster

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Ein Forschungsbericht von Prof. Dr. Quisilius Feldman


Nach 3jähriger Forschung über das mysteriöse Wesen des Basilisken bin ich nun in der Lage, Ihnen, werte Leser, einen umfassenden Bericht über diese so tödliche und doch faszinierende Kreatur zu geben.


Im Gegensatz zu allen anderen Monstern, die zu studieren ich das Vergnügen hatte, stellt der Basilisk ein äußerst wandlungsfähiges Geschöpf dar.


Sein erstes Erscheinen wurde bereits von Plinius (23-79 n. Chr.) beschrieben. Demnach war er eine sechzig Zentimeter lange Schlange mit safrangelben und schwarzen Schuppen (man bemerke hierbei die Ähnlichkeit zu den Farben einer Wespe, die damit Gegner vor ihrer Gefährlichkeit warnt!). Auf dem Kopf bildeten drei weiße Tuberkel eine Art Kamm, die dem Basilisken seinen Namen gaben ( grie. basilikos = kleiner König ), da sie für den antiken Forscher wie eine Krone wirkten.


Laut den Zeitdokumenten durchlebte der Basilisk besonders im Mittelalter eine rapide Veränderung, deren Ursprung ich bisher noch nicht ergründen konnte. Ihm wuchsen Beine, wie die eines Vogels (normalerweise zwei, gelegentlich hat man wohl auch Exemplare mit bis zu acht Beinen beobachtet), ein gewundener Schwanz und schließlich ein Paar Flügel, so dass die Kreatur eher einem Wyvern ähnelt (vgl. "Geschichte der Drachen"- eine Dokumentation von Prof. Dr. Feldman). Schließlich bekamen die Flügel sogar Federn und der Basilisk bekam einen hahnenähnlichen Kopf, allerdings noch mit einer Schlangenzunge.


Vermutlich hat er diese Gestalt angenommen um sich besser vor seinem Feind, dem Hahn zu schützen (s.u.).


Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der Basilisk sich seiner neuen Umgebung anpassen musste. Ursprünglich stammt diese Kreatur nämlich aus dem Orient. Von dort aus wanderte er über Südeuropa und England bis nach Island (hier wurde er Skoffin genannt). Ähnlich wie Tiere im Norden ein dichteres Fell besitzen, mag der Basilisk für ein Überleben in kühleren Klimaten Federn entwickelt haben.


Dann im 14. Jahrhundert änderte sich sogar der Name. Aus dem stark mutierten Basilisken wurde der Cockatrice. Wahrscheinlich beruht die Bezeichnung auf der verbesserten Fähigkeit des Monsters seine Beute zu jagen (lat. cocatris = verfolgen)


Über die Ernährung des Basilisken herrscht allgemeine Unkenntnis was wohl daran liegt, dass der Basilisk alles tötet was in seine Nähe kommt. Dadurch erschweren sich die Feldforschungen auf diesem Gebiet ungemein.


Zweifellos stand dem Basilisken ein ganzes Arsenal von körpereigenen Waffen zur Seite um Beute zu erlegen oder Feinde zu vernichten. Sein Blick konnte Felsen zerspringen lassen, Vögel im Fluge grillen, Pflanzen verdorren und Lebewesen lähmen und töten. Sein Atem ließ die kräftigsten Bäume und Büsche verdorren und vergiftete jedes Gewässer aus dem er trank. Hieraus lässt sich zumindest schließen, dass der Basilisk kein Pflanzenfresser war.


Sein Biss erzeugte Tollwut und tödlich Krämpfe. Seine todbringende Kraft pflanzte sich sogar noch durch eine Waffe fort – wer das Ungeheuer schlug, geht dabei dennoch zugrunde.


Über die Vermehrung des Basilisken gibt es dagegen ziemlich präzise Beschreibungen: Ein älterer Hahn legt Eier, die entweder von Kröten oder Schlangen ausgebrütet wurden. Oftmals reichte schon die Wärme eines Misthaufens. Für den Vater bestand dabei nur ein geringes Risiko, allerdings wurde im 15. Jahrhundert ein älterer Hahn angeklagt und verurteilt, Eier im Namen des Teufels gelegt zu haben.


Mit der Wandlung vom Basilisken zum Cockatrice komplizierte sich auch der Vermehrungsvorgang. Das Ei musste von einem siebenjährigen Hahn gelegt worden sein genau zu dem Zeitpunkt wenn der Hundstern Sirius aufgeht. Dieses Ei besitzt statt einer harten Schale nur noch eine lederne Haut. Außerdem konnte es nur im Dung einer Kröte ausgebrütet werden.


Diese hochkomplexe Vermehrung mag das langsame Aussterben der Basilisken noch beschleunigt haben.


Außerdem hatte selbst dieses überaus tödlich Monster Feinde.


Zunächst ist da das Wiesel, das ähnlich wie der Mungo gegenüber Schlangen tatsächlich gegen das Gift des Basilisken immun sein soll, so dass es ihn töten kann. Außerdem scheinen die Wiesel eine Vorliebe für die Gartenraute zu entwickeln, wenn sie von einem Basilisken gebissen wurden. Diese Pflanze ist die einzig bekannte Pflanze, die einem Basiliken standhält. Es bleibt zu vermuten, dass sie eine heilende Wirkung hat.


Viel tödlicher ist für den Basilisken aber der Hahn. Sobald er ihn krähen hört, stirbt er. Manche behaupteten sogar der Anblick reiche.


Auch die Findigkeit des Menschen führte für viele Basilisken zum Tode, da ähnlich wie bei der Gorgone (s. "Der Basiliskenjäger") ein Basilisk an seinem eigenen Blick zugrunde gehen kann, wenn er sich selbst in einer gespiegelten Fläche sieht.


Im 15. Jahrhundert, als die Basilisken ganz England terrorisierten, wanderte ein Mann, vollbehängt mit Spiegeln solange kreuz und quer durchs Land, bis alle Monster tot waren.


Das letzte Erscheinen eines Basilisken ist für 1587 in Warschau bezeugt. Zwei Mädchen und ihre Amme wurden tot in einem dunklen Keller aufgefunden, und der königliche Arzt machte einen Basilisken verantwortlich. Ein verurteilter Verbrecher wurde in ein Spiegelgewand gekleidet, und nach ein paar Minuten erschien er mit einem kleinen schlangenartigen Tier, das die rachsüchtigen Zuschauer jedoch nur wenig beeindruckte.


In den folgenden Jahrhunderten fanden sich nur noch vage Gerüchte und Beschreibungen. Im Jahre 1784 gab es sogar Beschreibungen eines Cockatrice mit einem Männergesicht, Bullenhörnern und zwei Schwänzen, der sogar Ochsen verschlang.


Dieser Bericht erscheint mir jedoch frei erfunden. Zum einen wäre die Veränderung des Basilisken zu stark um sich noch mit einer normalen Evolution zu erklären. Auch wäre die Frage wie dieses Tier dorthin gelangte ohne andernorts entdeckt zu werden.


Der englische Naturforscher Philip Gosse berichtet von einer Art Basilisk auf Jamaika. Die Kreatur ähnelte einer Schlange mit Kehllappen, die wie ein Hahn krähen konnte. Handelte es sich hierbei um einen Basilisken, der das erste Stadium der Metamorphose in einen Cockatrice erreicht hatte? Oder war es die rückschrittliche Entwicklung eines Cockatrice, der mit einem Schiff nach Jamaika gelangte und nun infolge eines wärmeren Klimas wieder zur ursprünglichen Basiliskenform annahm? Leider gelangte Gosse nicht in den Besitz auch nur eines Exemplars dieser Gattung.


Trotz intensiven Bemühens ist es mir nicht gelungen eine aktuelle Beschreibung des Basilisken oder Cockatrice zu erlangen. Auch die Feldforschungen in Zentralafrika blieben erfolglos. Die Einheimischen berichten von einem größeren Basilisken, der Inkhomi – Mörder- oder auch krähende Kobra mit Kamm – genannt wird. Allerdings ließen sich keine Tiere finden. Auch die Verwüstungen in der Gegend stellten sich als verhältnismäßig harmloser Raubbau der Wälder dar.


Der Waran, besonders der Komodowaran, den ich in Südasien studierte, machte mir schon Hoffnung.


Als die Basilisken vom Orient gen Norden wanderten mussten bereits Beine vorhanden gewesen sein. Es schien mir durchaus möglich, dass ein oder zwei Exemplare stattdessen nach Südosten abwanderten. Aufgrund des warmen Klimas folgte keine weitere Verwandlung in einen Cockatrice. Auch der Biss dieser Kreatur stellte sich als äußerst tödlich heraus. Allerdings musste ich schnell erkennen, dass diese Tiere einer gewöhnlichen Vermehrung folgten und auch nicht durch einen Hahn oder Wiesel zu töten waren.


Auch in Wüstengegenden blieb ich wider erwarten erfolglos. Da die tödliche Wirkung dieses Monsters auf Pflanzen bekannt ist, schien mir die Ausbreitung der Wüsten infolgedessen als logische Folgerung. Andererseits sind diese Gebiete auch sehr umfassend.


Abschließend bleibt zu sagen, dass der Basilisk wahrscheinlich ausgestorben ist woran vielleicht moderne Legebatterien schuld sind. Aber wer weiß…die meisten dieser Monster trieben ihr Unwesen in dunklen Kellern und Brunnenschächten…

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