Drachen

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Körperbau und Evolution

Ein Forschungsbericht von Prof. Dr. Quisilius Feldman


Drachen sind wohl die geheimnisvollsten und gleichzeitig die gefürchtetsten Wesen, die je gelebt haben. Ebenso wie bei dem Basilisken (vgl. Kobold Nr.7) ist es mir trotz vieler Reisen und Forschungen nicht gelungen ein noch lebendes Exemplar dieser Gattung auch nur annähernd zu Gesicht zu bekommen.

Doch es gab eine Vielzahl von Drachenrassen, die sich über die ganze Welt verbreitet hatten. Man unterscheidet heute zwischen Schlangendrachen, Halbdrachen (Ophido draconis), Unechten Drachen (Pseudodraconis) und den klassischen Drachen (Draco magnificens).


Schlangendrachen sind eigentlich nur sehr große Schlangen zu Wasser oder zu Lande, die einen genetischen Defekt haben wie Hörner, ein ganzes Gebiss, eine abnorme Größe oder ähnliches. Ihre bekanntesten, leider meist schon verstorbenen oder ausgerotteten Vertreter sind die Midgardschlange (eine gigantische Schlange), der Guivre aus Frankreich (Wasser-schlange, deren Atem tötete), Gargouille (Wasserschlange, die durch einen mächtigen Wasserstrahl tötete) oder der Leviathan (ein schlangen-ähnlicher Wal).


Zu den Halbdrachen werden alle Kreaturen gezählt, die zwar dem klassischen Drachen ähneln, aber sich auf der evolutionären Leiter noch nicht weit genug fortentwickelt haben. So zählt der Lindwurm dazu, dessen erstes Erscheinen in Schweden verzeichnet ist. Er besitzt schon ein Gliedmaßenpaar, kann aber weder fliegen noch Feuer speien. Gleiches gilt für den Tatzelwurm, der in den Alpen beheimatet war. Offensichtlich handelt es sich um die gleiche Art, auch wenn der Tatzelwurm durch kürzere Gliedmaßen und schmaleren Körperbau besser für ein Leben unter der Erde angepasst war. Er wurde noch 1954 in Sizilien gesichtet! Der Wyvern dagegen ist bedeutend kleiner und dümmer als der Lindwurm, hat allerdings schon Flügel ausgebildet.


Zu den unechten Drachen kann man getrost alle Kreaturen zählen, die man nur aufgrund ihres angerichteten Schadens oder merkwürdigen Aussehens nach als Drachen bezeichnet hat ohne sich um eine wissenschaftlich Bestimmung zu kümmern. Dazu gehören z.B. der Wasserschlangendrache der Indianer namens Weewilmekq, der eigentlich ein Riesenblutegel war, der Basilisk, die Hydra und der Feuersalamander.


Doch selbst bei den klassischen Drachen fällt die Unterscheidung schwer. Es stellt sich vielmehr die Frage: Was macht einen echten Drachen eigentlich aus? Hierbei muss man tatsächlich der Statistik vertrauen: Die meisten Bezeichnungen für einen Drachen fielen auf Geschöpfe welche einen reptilien- oder schlangenartigen Körper haben, einen längeren, ebenfalls geschuppten Schwanz, vier Gliedmaßen, welche in Raubkatzenform enden mit mehreren Klauen, einen längeren Hals mit einem Kamm, der in einem Schädel mit einem gewaltigen Gebiss endet. Alle können fliegen, egal ob mit oder ohne Flügel.


Aufgrund von alten Gemälden und prähistorischen Malereien und fossilen Funden lässt sich folgern, dass die Drachen wohl ursprünglich von den Dinosauriern abstammen. Nach neusten Erkenntnissen waren diese prähistorischen Tiere warmblütig. Wenn das auch für die Drachen gilt lässt sich erklären, warum Drachen auch in relativ kalten Regionen wie Skandinavien überleben konnten. Ebenso lässt sich damit die Flugmöglichkeit erklären, da es ja auch fliegende Saurier wie den Velociraptor gab. Leider bin ich bei meinen Forschungen noch nicht auf das missing link gestoßen, wie es der Archaeopteryx für die Vögel darstellt.


Die Rasse der chinesi-schen Drachen scheint die älteste zu sein, denn in Nordchina wurden bei Ausgrabungen 4.000 Jahre alte Abbildungen dieser Geschöpfe gefun-den. Dieser Drachenart wird indes sogar eine hohe Intelligenz nachgesagt. Allerdings unter-schieden sich diese sehr von den später in Europa verbreiteten Drachen, und zwar sowohl vom Aussehen als auch vom Entwicklungszyklus und den Fähigkeiten her. Dank eines Kollegen namens Wang Fu, der während der Han-Dynastie vor ca. 2.000 Jahren diese Tiere erforschte, ist uns die Entwicklung eines asiatischen Drachens noch heute bekannt.


Chinesische Drachen (Draco Sinensis) über-ließen ihren Nachwuchs völlig sich selbst. War das edelstein- oder perlenförmige Ei erst einmal abgelegt, mussten 1.000 Jahre vergehen (Sie haben richtig verstanden, werte Leser, ein ganzes Jahrtausend!), bevor das Drachenjunge schlüpfte. Dann verbrachte es eine relativ kurze Zeit (500 Jahre!) als Wasser-schlange, in der sein Kopf langsam die Form eines Karpfens annahm. Erst dann entwickelte der Drache sich im Laufe von 1.500 Jahren zu seiner typischen Form, wobei er erst in den letzten 500 Jahren ein Hörvermögen, nämlich Hörner entwickelte. Vorher war er taub. In diesem Stadium der Entwicklung wurde der Drache Kioh-Lung genannt. Sein Kopf hatte in etwa die Form eines Kamels, die Ohren ähnelten der einer Kuh, seine Hörner dem Geweih eines Hirschen und sein Nacken dem einer Schlange. Der Unterleib eines Kioh-Lung hatte in etwa die Form einer Venusmuschel, während der Oberleib mit exakt 117 Schuppen bedeckt war. Dem asiatischen Drachen standen vier Gliedmaßen zur Verfügung, die in Tigerpfoten mit vier Klauen endeten.


Ganz ehrlich, liebe Leser, selbst nach gründlichen Recherchen habe ich noch heute Bedenken, dieses Wesen in eine wissenschaftliche Arbeit mit aufzunehmen. Eine solche Vielzahl unterschiedlicher Tierrassen in einer Kreatur vereint spottet jeglicher Evolutionstheorie. Aufgrund der hohen Lebenserwartung lassen sich zwar gewisse Veränderungen als Anpassung an Lebensräume erklären, doch das merkwürdigste kommt erst noch. Bereits in dieser Form des Kioh-Lung war der Drache flugfähig! Ohne Flügel!!! Diese Fähigkeit erlangte das Tier erst nach weiteren tausend Jahren, womit der Entwicklungszyklus dann aber auch abgeschlossen war. Da es bisher noch keine dokumentierten Fälle über einen natürlichen Tod solcher Wesen gibt, kann über die Lebenserwartung nur spekuliert werden. Wenn heute noch welche existieren, dann halten sie sich gut versteckt. Über die Ernährung der Tiere ist nur wenig bekannt, doch waren sie eher Luft- und Wasserbewohner, daher hatten sie sich wohl von größeren Vögeln und Fischen ernährt. Ein weiteres Rätsel ist, dass der japanische Drache im Vergleich zum chinesischen Drachen nur drei Klauen hatte.


Der westliche Drache dagegen, der sich in Europa und Nordamerika verbreitet hatte, blieb wesentlich mehr saurierförmig und war wesentlich stärker an ein Leben an Land angepasst als sein asiatischer Vertreter. Er besaß vier Gliedmaßen, auf denen er sich laufend gut fortbewegen konnte. Die Eier des Drachens waren wie bei Reptilien auch von einer ledrigen Schale geschützt, wobei sich das Weibchen um das Gelege kümmerte. Einmal geschlüpft behielt der Drache seine Form bei, während er größer wurde. Die dokumentierten Berichte müssen jedoch maßlos übertrieben haben, wenn es um die Größe der Tiere ging. Schließlich hätte ein Drache mit den meist eher kleinen Flügeln gerade mal die Masse eines Nashorns haben dürfen um noch abheben zu können. Oder die Flügelspannweite war stark untertrieben. Die europäischen Drachen waren in der Lage Feuer zu speien.

Die Theorien über diese Besonderheit in der Evolution gehen dahin, dass diese Drachen einen zweiten Magen besitzen. Fressen sie phosphorhaltiges Gestein, wird es in der sauren Umgebung dieses Magens zersetzt, wobei sich ein Gas entwickelt, welches sich bei Luftkontakt entzündet. Alle Versuche, dieses Phänomen im Laborversuch zu wiederholen erwiesen sich als zu schwierig und kosteten mich mehrfach beinahe das Leben.


Zusätzlich zeichneten sich diese durch dicke Schuppen gepanzerten Tiere durch eine hohe Intelligenz aus. Wurde das Nahrungsangebot in der Gegend knapp, so entführten sie eine Jungfrau oder Prinzessin aus der Umgebung und taten sich dann an den Helden gütlich, die zu ihrer Rettung eilten.


Obwohl Drachen wie andere Reptilien auch nur wenig Nahrung benötigten und aufgrund langer Ruhephasen nur selten fressen mussten, wurden sie wohl mit der beginnenden Überbevölkerung Ende des Mittelalters zu einem zu großen Nahrungskonkurrenten und wurden ausgerottet. Denn seit damals kam es zu keiner dokumentierten Sichtung jener Geschöpfe mehr.


Eine Besonderheit stellt der Quetzalcoatl dar. Er lebte lange Zeit im Süden Nordamerikas und gleicht in seinem äußeren Erscheinungsbild dem Kioh-Lung-Stadium der chinesischen Drachen. Allerdings war sein ganzer Körper mit roten und grünen Federn bedeckt, was ihm vermutlich seine Flugfähigkeit verlieh. Der Quetzalcoatl musste in seiner Ernährung stark spezialisiert gewesen sein, denn nachdem das Volk der dort beheimaten Azteken von den Spaniern ausgerottete worden war, wurde sein Erscheinen nie wieder dokumentiert.


Abschließend bleibt zu sagen, dass wohl wieder einmal der Mensch an der Ausrottung einer so faszinierenden Spezies schuld ist. Schließlich hatten sich die Drachen an alle Lebensräume anpassen können, bis sie mit dem Menschen in direkte Nahrungskonkurrenz traten.

Bleibt nur die Hoffnung, dass es einem chinesischen Drachen gelingt der zunehmenden Überfischung zu entgehen und sich zu einem flugfähigen Exemplar zu entwickeln, so dass wir endlich einen handfesten Beweis für die Existenz dieser Tiere erhalten.


-sw-

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