Helden und ihre (Un)Taten (Kobold 11)

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Inhaltsverzeichnis

Autofahren will gelernt sein!

…der Explosion, die Seattle heute nacht erschütterte, geklärt. Auf einem stillgelegten Raffineriegelände brach aus bisher ungeklärter Ursache ein Feuer aus, welches auf die noch nicht entsorgten Lagertanks übersprang. Ein Sprecher von Lonestar erklärte…"

"Schalt sofort den dämlichen Kasten, Gwynor, oder ich schieß das Ding in Stücke!"

Der Elf an der Bar warf seinem einzigen Kunden zu dieser frühen Stunde einen schrägen Blick zu und drehte den Ton leiser. "Ganz ruhig, Celeborn. Kein Grund zur Aufregung. Das Ding hat mich einen Haufen Nuyen gekostet." - "Einen Haufen Nuyen? Diese Nacht hat mich so viel gekostet, dass ich davon deine Bar inklusive deiner Dienste für die nächsten zehn Jahre hätte kaufen können!" Der Barkeeper pfiff leise. Das erklärte warum Celeborn hier um fünf Uhr morgens völlig fertig hereinplatzte und sich seitdem zusoff. Er schob dem Elfen ein weiteres Glas mit einer wohlriechenden und garantiert Hirnzellen abtötenden Flüssigkeit hin. Celeborn hatte davon schon acht gehabt. Bald würde er entweder zusammenklappen oder sich endlich alles von der Seele reden. "Celeborn, mein Junge, nun erzähl schon. Ist dein letzter Run schief gelaufen?"

"Es war eine Katastrophe! Wir sollten in die Kanalisation, um was zu erledigen. Die Spezialausrüstung wäre teurer als die Belohnung für den ganzen Run gewesen, also dachten wir, besorgen wir uns doch einen Wagen der Kanalreiniger, da muss doch haufenweise Zeug drin sein. Doch in der Nacht, als wir ankamen, herrschte dort Hochbetrieb. Also mussten wir einen der Wagen unterwegs abfangen. Ich setzte mich mit meinem Wagen vor einen der Lkws, bremste, ein Kumpel zeigte den Leuten mein MG, das hinten rein montiert ist…" "Und der Wagen ist dir hinten reingefahren? Was für eine Schande. Ich weiß doch wie sehr du an der Karre hängst…" "He, wer erzählt hier die Geschichte, bis dahin ist doch noch alles gut gegangen! Wir sind die Typen ohne Probleme losgeworden. Erst als Rush, dieser Trottel von einem Elfengänger es nicht schaffte den Wagen zum Laufen zu bringen, fingen die Probleme an. Er konnte nämlich gar kein Auto fahren! Also habe ich meine "Karre", wie du mein Spitzenbaby nennst, auf Autopilot gestellt und bin rüber. Sonst war nämlich niemand in der Lage Auto zu fahren. Und was musste ich feststellen? Die ganze Zeit lief noch der Funkverkehr! Die haben alles mitgekriegt! Und schon hatten wir Lonestar auf den Fersen. Zwei sind hinter uns her und drei Wagen hinter meinem Baby. Ich also los, war gar nicht leicht mit fünfzehn Gängen. Zum Glück konnte der andere Elf noch etwas Magie und hat einen der Verfolger in die Luft gejagt - äh, das klingt jetzt falsch, er hat ihn in Brand gesetzt, und der andere Wagen hat erst einmal angehalten um den Leuten zu helfen.

Die Kumpels in meinem Auto hatten da mehr Probleme. Keiner von ihnen konnte Auto fahren, ok, der Zwerg war zu klein. Der Autopilot ist zwar gut, aber nicht gut genug um Lonestar davonzufahren. Also hat der Zwergenpriester den Wagen einfach unsichtbar gemacht. Eigentlich kein schlechter Plan. Doch leider kam dann eine rote Ampel. Und weil der Autopilot lief, hat mein Wagen verkehrsgerecht angehalten. Ein Polizeiwagen - Zosch! - rechts vorbei weiter, der andere Polizeiwagen - Zosch! - links vorbei. Tja, und der dritte Wagen ist voll auf mein unsichtbares, wartendes Auto geprallt!"

"Autsch, das tut weh, selbst wenn der Wagen nicht ganz hin ist, rückt Lonestar bestimmt nicht mehr heraus." - "Quatsch, Lonestar, du kennst mein Baby nicht. Der Polizeiwagen war zwar hin, aber mein Wagen war immer noch fahrtüchtig, ich bastel doch keine halben Sachen! Die anderen sind erst einmal weiter und wollten sich auf einem alten Werksgelände verstecken. Doch die Bullen haben inzwischen mitbekommen, dass da Magie am Werke ist und haben einen Hubschrauber mit einem Magier hinterhergeschickt. Und der hat wohl astral gesehen wo mein Wagen stand, so dass sie in aller Ruhe mit Raketen draufschießen konnten! Die anderen konnten gerade noch flüchten."

"Tja, konntest du noch ein paar Teile retten?" - "Eigentlich schon, doch dummerweise hatte ich auch meine ganze Waffentechnik an Bord - Raketen, Munition, Sprengstoff… aber selbst da hätte man noch was retten können, wenn die Trottel nicht ausgerechnet über den alten Öltanks einer Raffinerie geparkt hätten…" Und gemeinsam schauten die beiden Elfen rüber zum stummen Bildschirm, auf der gewaltige rauchende Krater mitten im Industriegebiet von Seattle klafften.

"Tja", meinte Celeborn. "Eine stillgelegte Raffinerie weniger, über die sich der Stadtrat Gedanken machen muss." Mit diesen Worten nahm er dem perplexen Barkeeper die Flasche aus der Hand und stürzte den restlichen Inhalt hinunter, während jener noch mit offenem Mund auf den Bildschirm starrte.

-sw-

Seelenwanderung

Die Blätter der mächtigen Eiche raschelten in der sanften Brise, welche durch den Wald zog. Es herrschte Ruhe und Frieden. Genussvoll drehte der Baum seine obersten Spitzen dem Weg der Sonne nach. Doch dann störte etwas sein friedvolles Dasein. Aufgeregte Schreie zerbrachen die Stille, merkwürdige Geräusche wie Metall auf Metall ertönten, und die wilden Bewegungen vieler Wesen ließen sein weitverzweigtes Wurzelnetz erbeben. Sie kamen näher!

Obwohl die Eiche nur eine begrenzte Wahrnehmung hatte, spürte sie doch wie die heftigen Bewegungen ebenso wie der alles durchdringende Metalllärm nachließen. Ein Wesen sank auf der Lichtung nieder und sonderte mineralische Flüssigkeit ab, welche in den Boden sickerte. Die Eiche hatte kein Wort dafür, doch sogen ihre feinen Haarwurzeln eifrig die Flüssigkeit aus dem Blut auf.

Andere Wesen scharten sich um jenes erste. Es wurde sehr ruhig und still. Dann begannen die empfindlichen Blattknospen an den äußerten Zweigen des Baumes unter dem Klang einer rauen Stimme zu vibrieren:

"Du musst doch etwas tun können!" - "Nun, es gibt eine Möglichkeit, aber es ist keine Garantie…" - "Mach ihn wieder lebendig! Jetzt!" - "Einem Halbork sollte man nichts abschlagen, seufz. Aber sei gewarnt, mein Freund, er mag nicht so sein wie vorher!" - "Er ist ein Paladin, sein Gott wird ihm helfen." - "Götter, mein hitziger Gefährte, sind nichts im Vergleich zur Kraft der Natur." - "Nun mach schon!!"

Der Gesang, der jetzt folgte, erfüllte die Eiche, wie es Sonne und Wasser noch nie zuvor getan hatten. Sie wusste mit einem Mal, dass sie nicht allein war. Eine Seele zog in sie ein, formte sich, wuchs, nahm Gestalt an. Die Eiche wuchs mit ihr. Sie spürte das Leben in und um sich, fing an die Welt um sich herum zu begreifen. Das beständige leichte Pochen an ihrem Fuße - eine Gruppe Mäuse hatte sich dort ein Nest gegraben und nagte an ihren Wurzeln. Die Sonne würde bald untergehen, doch auch wiederkehren. Und jene Wesen dort auf der Lichtung standen in Trauer um ihren gefallenen Kameraden. Und die Eiche wusste, dass sie auserwählt war. Auserwählt einen mächtigen Naturgeist zu beherbergen! Voll Stolz reckte sie ihre Äste, ließ alle Blätter rascheln um es jedem mitzuteilen. Die Wesen auf der Lichtung drehten sich in ihre Richtung. Die Eiche drehte ihre Äste beiseite, so dass jene Leute einen guten Blick auf ihren Stamm hätten, aus dem nun das wunderbarste Geschöpf trat, welches der Baum je hatte begreifen können.

Erst herrschte gebanntes Staunen, dann redeten alle durcheinander. Doch die glockenhelle Stimme der Dryade ließ sie sofort verstummen. "Freunde, Helm hat es so bestimmt, dass meine Seele diese Gestalt annimmt. Ich habe Frieden und brauche jenen irdischen Besitz nicht mehr." Und damit begann sie, Dinge von ihrem verstorbenen Körper zu nehmen und sie unter ihren ehemaligen Gefährten zu verteilen. Magische Waffen, Gold und ähnliches. Während sie noch damit beschäftigt war, drängte jenes zornige, ungeschlachte Wesen den Sänger von vorhin Richtung Eiche. Wieder bebten die Blätter und Zweige unter der jetzt grollend-zornigen Stimme:

"Das kann nicht dein Ernst sein, Druide, du hast Siegmut in eine Nymphe verwandelt!"

"Sei froh, dass es überhaupt geklappt hat. Außerdem habe ich dich gewarnt, dass es anders kommen könnte. Und er…sie… ist eine Dryade, keine Nymphe."

Die Eiche spürte das Beben, als der Halbork den Druiden heftig gegen ihren Stamm presste. Sein Knurren ließ den Baum bis in die Wurzeln erzittern.

"Mach…es…wieder…rückgängig!" - "Das geht nicht, dazu müsste er…sie… tot sein…"

Mit einem Rums und einem Keuchen knallte der Druide auf den Boden auf. Dann erbebte das gesamte Wurzelwerk unter den schweren Schritten des Halborks, als er auf die Dryade zustürmte…

Die Eiche drehte ihre Blätter Richtung untergehender Sonne. Friede war wieder eingekehrt. Der sengende Schmerz, der ihre Wurzeln durchzogen hatte ließ langsam nach. So wie auch die Erinnerung nachließ woher er kam, als die Wesen den Boden aufgerissen hatten um zwei Körper zu Füßen ihres Stammes in die Erde zu betten. Die Eiche spürte bei dem einen Körper noch einen schwachen Nachhall von Glück, doch auch dieses Gefühl verblasste wie das Licht der schwindenden Sonne.


-sw-

LOGBUCH CRIMSON LEVIATHAN

  • 25. Absteigendes Feuer

Die letzten Wochen haben wir zwischen Chiaroscuro und der Insel gekreuzt und ein paar Schiffe aufgebracht, aber keine große Beute… Sulei wollte zur Kalibrierung aber gerne in einer Stadt sein um die Party zum Jahreswechsel zu erleben, und so sind wir wieder in Chiaroscuro eingelaufen.

Es war wunderbar Sulei um mich zu haben, es schien fast wie in alten Zeiten… Aber noch liebt sie einen von der Insel. Wird unsere Beziehung, die wir vor 800 Jahren hatten, wieder aufleben?

  • 28. Absteigendes Feuer, Vorabend der Kalibrierung

Ich freue mich auf heute Abend, fast wie auf meine erste Verabredung. Sulei und ich werden in das neue Jahr feiern. Ob ihr die Kette und das Kleid gefallen werden? Es war gar nicht so einfach eine Kette zu bekommen die auch nur annähernd zu ihren grünen Augen passt…

  • 1. Aufsteigende Luft

Der Abend lief ganz anders als erwartet! Sulei war erst sehr traurig, dieses große Fest des Reiches ohne all ihre Freundinnen zu verbringen. Meine Geschenke haben sie allerdings etwas aufgeheitert. Beim Essen haben wir uns ein bisschen über Parul und Athya unterhalten.

Dann fingen wir an zu feiern um uns von all unseren Entbehrungen abzulenken. Gutes Essen und Tanz, ein perfekter romantischer Abend, bis wir durch die Feiernden in der Stadt spazieren gingen.

Auf einmal wirkte Sulei abwesend, und auch in ihr Leben kam die Sonne und all ihre Gaben. Jetzt kann auch Sulei Dinge, die sie vorher nicht konnte. Allerdings wurde sie erst mal nachdenklich…

  • 8. Aufsteigende Luft

Wir sind an die weiße Linie aus Salz gegangen, welche die Geister aus dem bewohnten Gebiet von Chiaroscuro fern hält. Der Sohn des Weges sagte uns, dass wir mit den anderen unseres Zirkels dort hinein müssten. Hinter der Linie sind die Häuser noch alle zerstört, nichts wurde wieder ansatzweise repariert.

Sulei konnte ein kleines Mädchen sehen, anscheinend ein Geist, denn ich konnte es nicht sehen, obwohl es sich direkt vor uns befand. Sie unterhielt sich eine kleine Weile mit ihr.

  • 10. Aufsteigende Luft

Heute kamen Whisper und Coroner hier in Chiaroscuro an. Whisper macht ihrem Namen alle Ehre, wenn sie was sagt, was nicht oft der Fall ist, spricht sie ganz leise.

Wir warteten den ganzen Tag im Hafen darauf, dass die beiden kommen würden, als plötzlich zwei Personen an uns vorbei stürmten. Dabei hatte das Schiff, mit dem sie kamen, noch nicht mal richtig fest gemacht! Auch wenn sie rannten als wenn alle Häscher hinter ihnen her wären, sahen wir kurz ihre Gesichter, und wir wussten sofort: das waren die, auf die wir gewartet hatten.

Während ich schon anfing hinter den beiden herzulaufen beging Sulei einen großen Fehler: sie rief nach Wachen um die beiden aufzuhalten! Zum Glück erwischten die Wachen sie nicht…

Erst an der Linie holten wir die beiden ein. Coroner hatte eine Vision gehabt in der Sulei und ich an einem Tempel von Untoten umringt waren, er wollte zu unserer Rettung stürmen.

Suleis Fehler sorgte erst mal für böses Blut zwischen ihr und Whisper, ich hoffe nur die beiden vertragen sich wieder. Auf jeden Fall verschwand Sulei heute Abend weinend auf ihr Zimmer, nachdem Whisper ihr eine Ohrfeige für das Rufen der Wachen verpasst hatte. Ich hoffe nur, dass wir uns morgen, wenn wir uns zum Tempel aufmachen, nicht alle gegenseitig an die Gurgel gehen…


-jm-

Interview im Dschungel

Der Geruch von vermodernden Pflanzen lag in der Luft. Nur mühsam bahnte sich das Sonnenlicht einen Weg durch das dichte Laubwerk der Bäume. Vorsichtig schlich sich der Zirkel näher an das überwucherte Gebäude.

"He, pst, entschuldige bitte…" Lotus machte fast einen Satz zur Seite als neben ihr eine vertraute Stimme erklang. "Du schon wieder! Was willst du denn jetzt hier, Kobold?"

"Eigentlich das gleiche wie letztes Mal. Mein Bericht über eure Erlebnisse hat einige Leute neugierig gemacht und die wollen wissen wie es weiter ging, na ja, eigentlich ob ihr das ganze heil überstanden habt." - "Ehrlich? Moment, du spionierst doch nicht für die Feenwesen? Oder für Rope?"

"Nein, meine Informationen werden garantiert niemanden in eurer Welt erreichen. Okay, einen, der ziemlichen Einfluss hier hat, werden sie erreichen. Aber der weiß sowieso schon alles was hier passiert ist - zwangsweise…"

"Wie meinst du denn das jetzt schon wieder?" - "Völlig egal, der tut euch schon nichts, na ja, äh…" Die kleine Gestalt brummelte irgendetwas in ihren langen Bart was verdächtig nach "…Meister…" und "…Spannung…" klang. Aber dann hatte der Kobold sich wieder im Griff und schenkte Lotus ein strahlendes Lächeln. "Entweder erzählst du mir einfach was passiert ist oder ich muss mir was aus den Fingern saugen. Und mal ganz ehrlich: Die Gruppe überlebte und flüchtete sich in den Dschungel klingt doch etwas fade!" - "Wir sind nicht geflüchtet! Wir stehen gewissermaßen unter Zwang, sonst geht Ariman drauf!" - "Wieso, dem scheint es doch recht gut zu gehen. Oder hat das was mit dieser zerfetzten Bärenleiche zu tun?" - "Nein, der wurde von irgendeinem Echsenwesen getötet, die hier rummarodiert." - "Wo?" Erschreckt blickte der Kobold sich um aber dann viel ihm ein: "Puhh, wie gut, dass ich nur eine Zeichnung bin. Also, erzähl doch alles mal von vorne. Ihr standet an der Stadtmauer und diese Armee mit dem Greifen kam auf euch zu…"

"Okay, also erst einmal kam noch die ganze Bürgerwehr der Stadt, insofern waren wir nicht ganz alleine. Ariman hat noch versucht das Tor zu verstärken, aber was nützt ein Tor wenn da ein Greif mit einer Fee angeflogen kommt. Der hat Ariman übel zugerichtet und dann auch noch auf ein brennendes Haus fallengelassen…" - "Autsch, also dafür geht es ihm wirklich gut." - "Nein, tut es nicht, aber dazu komme ich noch." - "Okay, entschuldige, ich wollte dich nicht unterbrechen."

"Naja, Jarson versuchte noch den Greif abzuschießen, aber das brachte nicht viel. Wir anderen hatten genügend mit der Goblinarmee zu tun. Und während des ganzen Kampfgetümmels fiel mir einer von den Goblins auf, der sich abseits von dem ganzen Kampfgeschehen heimlich in eine Häusergasse verdrückte. Also bin ich unauffällig hinterher bis zu einer Scheune, in der er verschwand. Dann hörte ich so ein gurgelndes Geräusch. Als ich leise reinschlich, sah ich dass der Typ sich erhängt hatte. Für einen Selbstmord hätte er ja auch die erste Kampfreihe wählen können. Also war hier etwas faul. Während ich mich noch vorsichtig umsah, wurde ich angegriffen. Mit einem Seil! Der Kerl nannte sich Rope und hatte mich ziemlich schnell gefesselt. Aber bevor er mich einschläfern konnte kamen zum Glück die anderen und er trat den taktischen Rückzug an.

Am Ende ist für die Stadt alles gut ausgegangen und wir konnten weiter in das Heimatdorf von Tjorben ziehen, in dem wir ihn bei seiner Mutter ablieferten. Als wir dort übernachteten, tauchte Rope in Arimans Zimmer auf und erklärte ihm, er sei vergiftet. Wenn Ariman einen Herzstein aus einem alten Tempel südlich von hier besorgen würde, gäbe es eine Heilung.

Tja, also haben wir uns auf den Weg gemacht. Zwischendurch fanden wir die Spuren und Hinterlassenschaften von dieser Riesenechse, aber wir haben im Moment anderes zu tun, deswegen bemühen wir uns, nicht in ihren Weg zu geraten. Und das überwachsene Ding muss der Tempel sein. Die anderen sind schon los, ich muss hinterher…" - "Na dann viel Erfolg, wir sehen uns dann später… so in drei Monaten… meiner Zeit…" Doch murmelte der Kobold eher vor sich hin während er, eifrig auf ein Blatt kritzelnd, verschwand.


-sw-

New York Times 4. November 1876

"Ratgeber für Eltern"

von James Miller


Meine werten Leser, wie Sie in meinem letzten Artikel lesen konnten, gibt es im gefährlichen Westen, fern der Zivilisation, verwahrloste Gestalten, vor denen jeder sich und seine eigenen Kinder in Acht nehmen sollte. Sie lasen über das in seinem jungen Alter von elf Jahren allein umherziehende Mädchen Kim, die mir eine Grauen erregende Geschichte als eigenes Erlebnis verkaufen wollte. Die Unterhaltung wurde unterbrochen, doch vor einiger Zeit traf ich sie wieder. Hier nun die Fortsetzung der Geschichte, der man durchaus den Titel "Verwahrlosung infolge mangelnder Erziehung im Westen der Staaten" geben könnte.

Aber lesen Sie selbst, meine hoch geschätzten Leser, was mir Kim erzählte:

"He Mista, is schon ne ganze Menge passiert wieda. Wolln Se die Story hörn? Also gut. Ich komm nämmich grad von der andern Welt, von der ich Ihnn ja schon erzählt hab. Allerdings ohne Garth, der is vorher abgehaun. Wir sind dann alle zu nem See, und Proudspeaker hat irgendwas gezaubert oder so, auf jeden Fall hat dann die Luft geflirrt, und da warn wir dann schon drüben. Abba da war noch einer, den wir nicht kannten, nämlich Jack White, der ist wohl grad vorn paar Soldaten geflüchtet und kam in dem Moment, wo wir rübergegangen sind auf uns zugelaufen und wurde automatisch mit rübagezogen. Das fand der gaa nich gut.

Wir mussten dann erst ma ganz nah beieinander bleiben. Um nämmich richtich in der Welt von Morningkill und den anderen anzukommen, mussten wir durch die Ewigen Jagdgründe. Und das war echt unheimlich, das hat zwischendurch gebrannt, und es wurde heiß, und da gabs gar keine Pflanzen und so, `s war wie man sich die Hölle halt vorstellt. Als wir dann endlich ankamen, sah das fast aus wie bei uns, der Tafelberg in dem großen Tal, und da war auch ein Zeltlager, aber ein viel kleineres, da hätten höchstens zwanzich Leute reingepasst, aber wir ham nur einen gesehen. Wir sollten dafür sorgen, dass Stormwalker nicht ein Heiligtum zerstört, das sich in dem Berg befand. Also wollte Whitie, na ja, Jack hat sich komischerweise imma mit dem Nachnamen zuerst vorgestellt, und da ham wir ihn halt Whitie genannt, wissense, na ja, der wollte erstma auskundschaften und is dann hin zum Lager. Da issa innem Zelt verschwunden.

Wir ham echt lange gewartet, abba es is nix mehr passiert, Whitie kam einfach nicht mehr aus dem Zelt raus. Also ham wir gesammelt zum Angriff gestartet und sind ins Lager runter, die Schießeisen bereit in den Händen. In dem Berg gabs nen Höhleneingang, und da kamen denn auch prompt paar von den Werwölfen raus. Mann, das wurde dann ein Gemetzel! Bill hat mit seiner Schrot-Gatling ne Menge gerissen, ich habe auch einen kaputt geschossen mit meinen paar Schuss Silbermun, aber dann sind Motawato und ich im Nahkampf mit denen gelandet und wurden ganz doll angekratzt. Wollnse ma die Narben sehen?" - In diesem Moment zieht Kim ihr Hemd hoch, und auf ihrem entblößten Bauch kann ich tatsächlich einige lange Narben wie von tiefen Messerschnitten erkennen. Ich muss der Leserschaft gestehen, dass sich mir bei diesem Anblick die Nackenhaare aufgestellt haben.

"So, wir ham se dann besiegt, ham in den Zelten Whitie gefunden und einen Mann, der am Mund zugenäht war. Das war echt eklich. Aber Proudspeaker sagte, das ist richtich so, weil der wohl echt böse und gefährlich sei, und hat den dann kalt gemacht. Dann mussten wir in den Berg, denn Stormwalker durfte das Heilichtum ja nicht zerstören, und bei den Werwölfen, die wir getötet hatten, war er nicht dabei gewesen. Im Berg gabs dann paar Gänge, auch ein totes Ende, aber am Ende war dann eine größere Höhle, und da stand Stormwalker drin, über `n paar Kisten mit Sprengstoff, und Pulver hatte er auch überall verteilt, und er hatte ein Zündholz in der Hand. Ja, Mista, das hat gebrannt. Ihr habt fünf Minuten zum Verschwinden, hatta gesacht. Dann hat Annie noch versucht das Zündholz mit nem Spritzer aus der Wasserflasche zu löschen, Whitie wollte wohl erst schießen, hat das dann aber sein gelassen, und Motawato, die Garus und ich haben sofort den Rückzug angetreten.

Dann ließ Stormwalker das Streichholz fallen, und das Pulverfeld entzündete sich und die Flammen krochen Richtung der Sprengstoff-kisten. Wir sind alle sofort losgerannt, Morningkill hat mich einfach über die Schulter geworfen und so mit raus getragen, der kann ja auch viel schneller laufen als ich, nur Whitie, der wollte sich vor der Druckwelle in dem toten Ende in Sicherheit bringen. Tja, und dann waren wir gerade draußen, als es hinter uns mächtig BUMM machte und der ganze Berg einstürzte. Und das war dann das Ende von Jack White. Annie tröstete sich damit, dass er wenigstens dort auf der anderen Welt nicht wieder auferstehen würde, keine Ahnung, was sie damit meinte. Sie faselt öfter was von lebenden Toten und so."

Sie sehen, werte Leser, dass diese kleine arme Seele von Mädchen einiges in ihrem doch noch so kurzen Leben durchgemacht haben muss, um sich in eine solch gewalttätige Fantasiewelt zu flüchten. Tatsächlich wollte sie mir noch glauben machen, dass sie mit den anderen Beteiligten - inklusive der drei Personen, die sie mit Garu bezeichnet - nun wieder auf unserer Welt ist, um jenen Stormwalker endgültig aufzuhalten. Das Heiligtum der Garu sei ja nun zerstört, und damit sei die Verbindung der beiden Welten schon zur Hälfte erledigt. Dies wiederum würde auch bedeuten, dass sie mehr Schussmunition aus Silber benötigen würden, denn das wäre das einzige was Stormwalker auf Dauer schaden könne.

Meine werten Leser, nach dieser Geschichte habe ich doch stark an dem Verstand der kleinen Kim gezweifelt. Wer auch immer ihr diese Wunden an ihrem Bauch zufügte, hat sie damit wohl so sehr verwirrt, dass in ihrem Hirn ein ernsthafter Schaden entstanden ist. Ich hoffe Ihnen nach Möglichkeit bald eine hoffnungsvollere Geschichte erzählen zu können.


-muv-

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