Monster im Wilden Westen

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Monster im Wilden Westen

Ein Bericht von Dr. Quisilius Feldman

Bei meinen ständigen Forschungsarbeiten stieß ich zufällig auf ein Werk, welches mich zur Gänze erstaunte. Nun, es ist immer wieder eine neue Quelle der Überraschungen, woher Informationen stammen können, doch ich hätte niemals erwartet in einem Regelwerk zu einem Rollenspielsystem solche detaillierten Angaben über Monster zu finden. Dadurch angeregt und um den Wahrheitsgehalt dieses Werkes mit dem ominösen Namen „Deadlands“ zu prüfen, habe ich mich näher mit den Ungeheuern des nordamerikanischen Kontinents beschäftigt. Ein Großteil des Werkes beschäftigt sich mit allen möglichen Arten von Untoten, seien es Zombiearmeen, Vampire, kopflose Reiter, Wesen die sich aus den Körpern oder Knochen gefallener Soldaten zusammensetzen oder ähnliches. Solche Erscheinungen gehören nicht in mein Forschungsgebiet. Und egal was meine verehrte Kollegin Dr. Theodora McKenzie von den okkulten Wissenschaften auch behauptet, halte ich ein Leben nach dem Tode für schlicht unmöglich. Selbst die Wiedergeburt des Phönix stellte sich als ein komplexer Fortpflanzungszyklus dar! Die Ausnahme sind selbstverständlich Geister, da diese nur eine besondere Form der Parapsychologie darstellen. Aber kommen wir zu meinen Forschungsergebnissen.

Viele der beschriebenen Wesen stellen oft nur eine sehr große Abart da, z.B. riesige Wespen, Spinnen, Käfer oder Mücken. Da solche Monster aber etwas zu alltäglich sind, ignoriere ich sie in diesem Bericht.

Eines der in „Deadlands“ beschriebenen Wesen ist der Bogie Man. Er wird in dem System annähernd korrekt dargestellt. Es ist ein böser Geist, der mit Kindern zu tun hat. Kennzeichen ist ein struppiges, hässliches Äußeres und ein scheußliches Grinsen. Während jedoch im Regelwerk von einem böse Scherze treibenden Geist, welcher nur von Kindern gesehen werden kann, die Rede ist, verhält es sich in Wirklichkeit anders: Der Bogie-Mann aus dem alten England stahl kleine Kinder und rangierte auf der Liste der Diener des Teufels weit oben. Er kann sogar seine Gestalt ändern. In Schottland glaubt man, er sei durch eine aufgeschlagene Bibel zu vertreiben.

Ein weiteres Monster aus dem Bereich „Deadlands“ ist der Chinook, ein Monster vom Aussehen eines Vielfraßes und der Größe eines Bären, welches zusätzlich zu seiner blutrünstigen Kampfkraft noch eine gewisse Macht über das Wetter mitbringt. Hier liegt eindeutig eine Vermischung von Tatsachen vor. Zum einen gibt es tatsächlichen einen warmen Fallwind mit der Bezeichnung „Chinook“ in den Rocky Mountains, welcher besonders im Winter die Umgebung soweit erwärmt, dass Bären, aber auch die einheimischen Vielfraße aus ihrem Winterschlaf erwachen. Und natürlich werden dadurch auch Lawinen ausgelöst. Außerdem gab es noch einen inzwischen ausgerotteten Indianerstamm mit den Namen Chinook. Dieses Monster muss also eine freie Erfindung sein.

Ein sehr reales Wesen dagegen ist der Chubacabra (span.: „Ziegensauger“). Sein Lebensraum zieht sich vom Süden der Vereinigten Staaten bis nach Puerto Rico. Er ist nachtaktiv und hält sogar Winterschlaf. Es scheint mehrere Arten zu geben, welche sich körperlich stark voneinander unterscheiden. Alle scheinen nicht sehr groß zu sein (zwischen 1,20m und 1,50m), bewegen sich auf zwei Beinen, haben ein Fell und rotglühende Augen. Andere reden auch von einem starken Schwanz und einer känguruartigen Körperform oder gewaltigen Klauen, was aber nicht auf alle zutrifft. Auch besitzen alle ein Gebiss mit gewaltigen Fangzähnen. Ihre bevorzugte Beute sind Hühner, Ziegen, Schafe und Rinder. Gelegentlich sollen sie auch schon Menschen getötet haben. Ihre Hauptnahrung besteht aus dem Blut der Beute, gelegentlich auch aus deren Augen. Die Entstehungsgeschichte, welche im Regelwerk beschrieben wird, halte ich jedoch für wissenschaftlich nicht haltbar. Demnach verwandelt sich ein Mensch, der jemand anderen ein großes Unrecht zugefügt hat, wohl aus Schuldgefühlen in einen Chubacabra. Ich denke es handelt sich eher um eine genetische Transformation ähnlich der eines Werwolfes.

Eine anderes Monster, welches im Regelwerk fälschlicher Weise als Flussleviathan bezeichnet wird, entpuppte sich bei näherem hinsehen nicht als einer der gigantischen Schlangendrachen, sondern als ein Riesenkraken, welchem die Anpassung an Süßwasser gelungen ist und jetzt in den größeren Flüssen des nordamerikanischen Kontinents sein Unwesen treibt und ganze Dampfschiffe zum Untergang gebracht haben soll. Wie auch sein häufig im Nordmeer gesichteter Verwandter hat er einen knochenharten Schnabel, viele Fangarme und die Fähigkeit, seine Flucht durch Ausstoß von Tinte zu verschleiern. Aber wie auch sein Namensvetter, der Meeresleviathan (auch wenn er wie schon erwähnt einer völlig anderen Spezies angehört), scheint jener Flussleviathan den Umweltverschmutzungen der Moderne erlegen zu sein. Bei meinen Forschungen konnte ich keinen Vertreter dieser beiden Arten mehr finden, ebenso wenig wie meine Kollegen. Vielleicht war der Flussleviathan also doch eine Erfindung.

Eine sehr vertraute Kreatur war dann wiederum das Irrlicht, welches die Menschen, die einsam in gefährlichen Gegenden wandern, in seinen Bann schlägt und sie in den sicheren Tod führt wenn man ihnen folgt, z.B. in Sumpflöcher, in Treibsand, ja sogar in Minenschächte hinein. Natürlich ist die Folgerungen der Autoren, sie seien die Geister Verstorbener oder gar Manifestationen von Dämonen, völlig falsch. Es handelt sich hierbei um eine hinterhältige Feenart, welche kaum zu töten ist, selber aber auch nur Schaden anrichten kann indem es die Menschen ins Unglück führt.

Die Banshee, welche in „Deadlands“ erwähnt wird, muss wohl durch die Wirren der Einwanderer von ihrer Familie getrennt worden und dabei auf Abwege geraten sein. Denn die Todesfee (eigentlich ein Geist und hier nicht zwangsweise weiblich) verdammt bevorzugt eine Person des anderen Geschlechts, weil sie aufgrund zurückgewiesener Liebe gestorben ist. Sie ist nur durch ein anständiges Begräbnis, Zerstörung ihres Körpers (was sie zu verhindern sucht) oder Sonnenlicht zu töten. Tatsächlich hängt die bekannte irische Banshee oder auch die deutsche Weiße Dame sehr an ihrer Familie. Sie verkünden durch ihre wunderschöne Erscheinung in einem grünen bzw. weißen Kleid und schrecklichen Geklage den nahen Tod eines Familienmitgliedes an. Sie sind meist schüchtern, beantworten aber, wenn man sich ihnen respektvoll nähert, auch Fragen. Oft spuken sie tatsächlich weil sie wegen Liebesdingen gestorben sind, aber genauso häufig weil sie große Schuld auf sich geladen haben. Oder sie erlagen dem Tod im Kindbett und sehnen sich jetzt noch nach diesem.

Wie man sieht, ist dieses Regelwerk nicht ganz korrekt in der Beschreibung von Monstern. Offensichtlich hat man nicht näher nachgeforscht. Der einzige plausible Grund, welcher mir für diese Abweichung einfallen will, sind die Dämonen. Jene Spezis ist wohl zu allem fähig, und da sie laut „Deadlands“ in Scharen eingefallen sind, können sie durchaus die heimische Monster-Fauna um ein erhebliches verändert haben.

-sw-

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