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(Die Herrschaft des Feuers)

Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, es herrscht angespanntes Flüstern und Rascheln. Unmut wird laut als noch ein Vorfilm gezeigt wird. Doch dann ist es soweit. Jetzt werden wir anlässlich des Fantasy-Film-Festivals die Preview-Vorstellung von "Reign of Fire" sehen. Ein Endzeit-Film heißt es, Drachen herrschen über die zerstörte Welt. Schon vorher sind Gerüchte aufgekommen, die Drachen wären geklont und die ganze Geschichte unlogisch, aber das schreckt uns nicht.


Endlich. Der Film beginnt. Ein Junge in Schuluniform läuft durch London zum Arbeitsplatz seiner Mutter. Sie beaufsichtigt Tunnelbohrungen für eine neue U-Bahn-Linie. Das Jahr: Jetzt-Zeit. Erste Buh-Rufe werden im Publikum laut. Die deutschen Untertitel stehen mitten im Bild statt darunter. Trotzdem packt uns der Film und die Übersetzung wandert bald nach unten. Ein Durchbruch in eine Höhle, der Junge klettert hinein und schaut sich um, ein Schnauben, ein Auge öffnet sich, und dann kommt nur noch ein Gemisch aus Panik, Feuer und Brüllen und dem Tod der Mutter.


Vergesst den ruhigen, humorvollen "Dragonheart"-Drachen, vergesst die lausig animierten, unpersönlichen "D&D"-Drachen. Hier kommen DRACHEN!!!! - Schnell, verschlagen, gefährlich, tödlich und fast unverwundbar. Und die Animation ist so perfekt, dass diese Wesen sehr glaubwürdig und absolut schrecklich wirken.


Sie legen die Erde in Schutt und Asche. Atombomben und Raketen geben ihnen nur noch mehr Nahrung: die Asche des ehemals Lebendigen. Nicht der Mensch, sondern seine Asche ist ihr Futter, ebenso wie die Asche von Bäumen, Tieren und Pflanzen. Bald gibt es nichts mehr auf der Erde, nur noch Felsen, Schlacke und Trümmer.


Es herrscht gebannte Stille im Saal. Jeder ist beeindruckt. Geschickt übergeht der Regisseur Rob Bowman solche Fragen wie: wo kamen die anderen Drachen her, warum waren es gleich so viele? Und warum konnten konventionelle Waffen nichts ausrichten?


Szenenwechsel: karges Land, das Jahr 2032, eine einsame Burgfestung irgendwo in England. Aus dem Jungen Quinn ist inzwischen ein Mann geworden (gespielt von Christian Bale). Er ist der Anführer einer kleinen Gruppe von Überlebenden, die ein verzweifeltes Dasein fristen, immer in der Furcht vor Drachen und der Zerstörung ihrer mageren Felder. Denn auch die Drachen hungern. Ohne Leben auch keine Asche zum fressen. Es ist eine Pattsituation, in der es nur darauf ankommt welche Rasse länger durchhält.


Es ist kaum zu glauben, dass der ganze Saal trotz der tristen Stimmung mehr als einmal unter lautem Lachen erbebt. Doch zehn Sekunden später herrscht wieder ängstliche Spannung. Kurzes Highlight für Trekkies: Dr. Julian Bashir als zerlumpter Funker.


Dann tauchen eines Tages Panzer vor den Toren auf. Plünderer? Nein, schlim-mer noch als Drachen: Amerikaner! Genauer US-Soldaten, angeführt von dem furchtlosen General Van Zan. Und ein Raunen geht durch die Masse - so haben wir den smarten Matthew McConaughey noch nie erlebt: Glatze, Bart, muskelbepackt, mit Tattoos und einem Schlachtbeil - die Reinkarnation eines Kampfzwerges und absolut cool! Van Zan hat einen Weg gefunden Drachen zu töten und demonstriert dies auch sofort.


Was nun folgt ist eine furiose Mischung aus moderner Waffentechnik (die Amerikaner haben sogar einen Hubschrauber dabei) gegen die urtümlichen, gepanzerten, feuerspeienden Drachen, und natürlich fehlt auch nicht der Held auf seinem Pferd.


Wir sind absolut erledigt. Noch nie sah ich einen Drachen so beeindruckend sterben. Der Applaus brandet durch den Saal, nein, so etwas hatte wohl noch niemand erlebt. Selbst die Dinos in Jurassic Park oder Godzilla starben nicht so eindrucksvoll. Doch während wir noch gut die ausgelassene Stimmung der Burgbewohner nachvollziehen können, versetzt uns Van Zan sofort den Dämpfer. Er braucht neue Leute um alle Drachen zu töten, denn er will sich nicht darauf verlassen, dass die Menschheit im Durchhalten ums Überleben den längeren Atem hat. Trotz Quinns heftiger Gegenwehr nimmt er sich was er braucht, und bricht Richtung London auf.


Jeder weiß es schon - die Mission muss scheitern; der Film geht ja noch mindesten eine halbe Stunde. Doch das ‚wie' lässt erst einmal schockierte Stille im Saal herrschen.


So bleiben nur noch die tapfere Hubschrauber Pilotin, Van Zan und Quinn um die Mission zu erfüllen.


Am Ende werden alle unsere Erwartungen erfüllt. Dafür haben sich die acht Euro, das gedrängte Warten vor dem Saal und die zu erwartende Müdigkeit, wenn wir Freitag Morgen nach einer zu kurzen Nacht wieder rausmüssen, gelohnt. Packend, mitreißend und spannend bis zuletzt, und doch immer wieder eine Dosis Humor.


Da nimmt man auch so kleine Unstimmigkeiten hin, die zwar gut aussehen, aber wirklich keinen Sinn machen. Warum hat z.B. Van Zan immer ein Schlachtbeil dabei wenn es zum Kampf gegen einen Drachen kommt, wo doch nicht einmal Maschinengewehre Schaden anrichten? Oder warum fressen sich die Drachen am Ende gegenseitig, wenn sie sich doch nur von Asche ernähren?


Aber egal, klasse Film!! Reingehen!


Herrschaft des Feuers (Reign of fire): USA 2002, 100 Minuten

Regie: Rob Bowman. Drehbuch: Gregg Chabot, Kevin Peterka, Matt Greenberg. Story: Gregg Chabot, Kevin Terterka. Musik: Ed Shearmur. Kamera: Adrian Biddle. Schnitt: Thom Noble. Casting: Priscilla John, Maria Ross. Produktionsdesign: Wolf Kroeger. Kostüme: Joan Bergin. Special Effects supervisor: David Gauthier. Visual Effects Supervisor: Richard R. Hoover. Produzenten: Gary Barber, Roger Birnbaum, Lili Fini Zanuck, Richard D. Zanuck. Produktion: Barber/Birnbaum, Spyglass Entertainment, The Zanuck Company, Touchstone Pictures, Tripod Entertainment.

Darsteller: Christain Bale (Quinn), Matthew McConaughey (Van Zan), Izabella Scorupco (Alex Jensen), Gerard Butler (Dave Creedy), Scott Moutter (Jared Wilke), David Kennedy (Eddie Stax), Alexander Siddig (Ajay), Ned Dennehy (Barlow), Rory Keenan (Devon), Terence Maynard (Gideon), Doug Cockle (Goosh), Ben Thornton (junger Quinn), Alece Krige (Karen Abercromby)

Starttermin: 16.01.2003

-sw-

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