Silber im Henghistal

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Ein Midgard-Abenteuer


Hier geschrieben und besiegelt sei dass jeder gute Mensch willkommen in meinem Land; und alles Böse Ziel meines Zorns und meiner Rache. Der Zahn ist mein und solltet ihr mein Heim aufsuchen, so habt einen guten Grund.

(Übersetzung: Hier geschrieben und besiegelt sei dass jeder gute Mensch willkommen in meinem Land; und alles Böse Ziel meines Zorns und meiner Rache. Der Zahn ist mein und solltet ihr mein Heim aufsuchen, so habt einen guten Grund.)

Text 1: Die Inschrift auf dem Felsen


Es ist schon spät im Herbst, doch der Händler Gollwyn McTillian möchte noch schnell eine Ladung chryseischen Tuches von Twineward über die Passstraße des Pengannion-Gebirges nach Llangollen in Clanngadarn bringen. Außer den Tuchen hat er natürlich noch Haushaltswaren und Werkzeug im Angebot, und unter den Tüchern noch zwei 40-Liter-Fässer mit chryseischem Wein. Das Ganze transportiert Gollwyn auf drei Wagen, die jeweils von zwei Maultieren gezogen werden. Dazu besitzt er noch sieben Ponys, die vor allem die persönliche Habe (wie Zelte) und den Proviant tragen. Da er nur drei Kutscher und zwei Ponyführer dabei hat, braucht er dringend noch Leute die mit anpacken und gegebenenfalls auch noch kämpfen. Gollwyn ist notgedrungen nicht sehr wählerisch und zahlt mit 5GS pro Tag einen guten Sold. Die Reise soll etwa dreieinhalb Wochen in Anspruch nehmen (wobei Gollwyn insgeheim von vier bis fünf ausgeht, wenn das Wetter nicht doch den ersten Schnee bringt).

Die ersten paar Tage sind vollkommen ereignislos. Anschließend wird das Gelände so schwer, dass jeder mit anfassen muß, um die Karren Meter um Meter den schlammigen Bergpfad hoch zu bekommen.

Am sechsten Tag der Reise begegnet ihr einer Horde Orks, die nichts besseres zu tun wissen, als euch zu überfallen. (Der Spielleiter sollte die Menge der Gegner so beschreiben, dass die Spieler von selbst auf die Idee kommen den Rückzug anzutreten.) Etwas weiter den Berg hinunter gibt es einen Einschnitt in der Bergwand, durch die man vielleicht in ein kleines Tal gelangen kann, dessen Eingang mit den wenigen Mannen des Handelszuges verteidigt werden könnte. Tatsächlich verfolgen die Orks die Charaktere nicht in das Seitental hinein, sondern bleiben furchtsam am Einschnitt stehen.


Das Henghisttal, wie es genannt wird, liegt etwas abseits eines der schmalen Wege, die über das Gebirge von Alba nach Clanngadarn führen. Es bildet eine Sackgasse, die in den Hängen von MacGuires Zahn endet, einem ca. 2.700 m hohen Berg, dessen Gipfel praktisch das ganze Jahr mit Schnee bedeckt ist. Das umgebende Gebiet wird von verschiedenen Orkstämmen, Twynedden und diversen albischen Gesetzlosen bevölkert. Dennoch ist das Tal ein Ort des Friedens; an sonnigen Tagen könnte man es sogar als idyllisch bezeichnen.


Erreichbar ist das Tal nur über einen schmalen Canyon, der den Gebirgspfad verlässt. Dieser windet sich für etwa drei Kilometer durch die Berge um sich schließlich in ein breites Tal zu öffnen. Saftige Wiesen und schattige kleine Wäldchen erschließen sich dem Wanderer, wenn er zuerst das Tal betritt. Ein wenig benutzter aber erkennbarer Pfad windet sich entlang eines Baches durch die Mitte des Tals. Folgt man dem Pfad ungefähr zwei Kilometer, so erblickt man die einzige größere Ansiedlung des Henghisttals, das kleine Dorf Withersham. Withersham besteht aus ungefähr vierzig Gebäuden, in denen sich ca. 150 Menschen und ihr Vieh niedergelassen haben. Die Gebäude bestehen aus Fachwerk, wobei das Gebälk fein verziert ist.

Withersham ist ein schläfriges kleines Dorf und bekommt eigentlich nie Besuch von Fremden. Daher gibt es auch keinerlei Unterbringungsmög-lichkeiten für die Flüchtlinge, doch die Bewohner sind allesamt sehr hilfsbereit, und jeder würde gern den einen oder anderen Gast bei sich aufnehmen. Alles an diesem Ort und seinen Bewohnern verspricht dem Reisenden einen geruhsamen Aufenthalt (und dem gelegentlichen Abenteurer vielleicht Langeweile). Das einzige ungewöhnliche Merkmal in Withersham ist der Granitblock auf dem Dorfplatz, gleich neben dem Brunnen. Dieser ist übermannshoch und auf einer Seite mit silbrigen Runen versehen (siehe Text 1). Befragt man die Bewohner nach dem Fels und seiner Inschrift, so zucken sie nur mit den Schultern und erwidern, der Fels sei schon immer da gewesen und niemand wisse, was die seltsamen Runen zu bedeuten haben. Der Dorfälteste Fender Bryn besitzt eine Abschrift und Übersetzung des Textes in einer Truhe in seinem Haus, Doch davon weiß außer ihm selbst niemand etwas, und er erzählt diese Geschichte auch nicht herum. Wieso also ausgerechnet einem Fremden?


Dem aufmerksamen Beobachter können sich eventuell folgende ungewöhnliche Umstände erschließen:

  • Orks kommen vielleicht bis an den Eingang des Tals, betreten dieses jedoch niemals. Die Bewohner erklären dies damit, dass die Orks das Tal für verflucht halten.
  • Hin und wieder findet sich eine vollkommen zu Eis erstarrte Leiche im Tal; üblicherweise die eines Außenstehenden, selten die eines Talbewohners. Die Talbewohner reagieren seltsam auf einen solchen Fund: sie scheinen zwar bedrückt, aber oft auch befreit und beharren üblicherweise darauf, dass das Ende zwar grausam war, aber schon nicht den Falschen erwischt habe.
  • Hin und wieder (ungefähr alle zwei Wochen, ohne wirklich einen Rythmus einzuhalten) erscheint eine wunderschöne Frau in Withersham und bleibt dort über Nacht, nachdem sie ihre Geschäfte erledigt hat. Hierbei handelt es sich um Melisia Tiriandel; angeblich eine einsam auf den Hängen des Zahns lebende Frau, die sich mit Kräutern und, so mag dem Besucher zugemunkelt werden, wohl auch mit Magie auskennt und so ihren Lebensunterhalt verdient. Melisia ist von außergewöhnlicher Schönheit, die elfisches Blut nahe legt und besitzt eine sehr starke persönliche Ausstrahlung. Sie ist ca. 1,60 m groß und besitzt langes silberblondes Haar. Ihr Teint ist ungewöhnlich blass, aber ihre tiefblauen, vor Leben sprühenden Augen strafen jeden Verdacht auf Kränklichkeit Lügen. Betritt sie am Abend die einzige Schenke des Ortes (den Keiler), so ist sie stets Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Dorfbevölkerung scheint ihr stets mit größtem Respekt zu begegnen.


Tatsächlich handelt es sich bei Melisia um Meliteria Karnafunagra Laterania Simandel, eine uralte, silberne Drachin, die sich vor ca. 500 Jahren durch die Ebenen streifend nach Midgard verlor und im Henghisttal, das damals noch unbesiedelt war niederließ, da sie die starke Erdmagie des Zahns und die Idylle des Tals sehr zu schätzen wusste. Als sich schließlich Menschen in das Tal verirrten und dort niederließen, brachten sie die übliche menschliche Unrast mit sich und Meliteria sah Ruhe und Frieden ihres Heims gefährdet. Daher stellte sie die Siedler vor die Wahl, entweder zu gehen oder sich anständig zu benehmen; als Gegenleistung dafür, dass sich die Menschen ihren Regeln unterwarfen, versprach sie, das Tal vor jeglicher äußeren Gefahr zu schützen (was ihr natürlich nicht gerade schwer fiel, da das ja ihr eigentliches Anliegen war). Zur ständigen Erinnerung hinterließ sie neben dem frisch gegrabenen Brunnen einen großen Granitblock zurück, der in ihrer angestammten Sprache mit ihrem Edikt beschriftet war.

Und bis heute hält sich die silberne Drachin an ihr Wort: wann immer böses (Gewalttaten, Diebstähle, u.ä.) im Tal geschehen, ist sie zur Stelle um die Übeltäter zu strafen, was üblicherweise mit ihrem eiskalten Odem geschieht, der jedes Lebewesen sofort zu Eis erstarren lässt (augenblicklicher Tod, wenn Resistenz: körperlich misslingt; Meliterias Odem hat hierfür einen Zauberwert von 25, wobei weder kritische Erfolge noch Misserfolge auftreten können).

Meliteria bewohnt eine große Höhle auf zwei Drittel Höhe des Berges MacGuires Zahn, deren inneres mit funkelnden Bergkristallen geschmückt ist. In der Mitte der Höhle liegt (wie bei Drachen üblich) ihr Hort, der größtenteils aus Silber und Edelsteinen besteht, umgeben von ihren eigenen Schuppen, die mit der Zeit ausgefallen sind. Ein großer Kristall an der Decke taucht die Höhle in sanftes magisches Licht und bringt den glitzernden Schatz besonders gut zur Geltung. Die Schönheit des Ortes sollte aber niemanden seine Gefährlichkeit vergessen lassen: Meliteria ist wie die meisten Drachen extrem auf ihre Privatsphäre bedacht und sollte sich gar jemand an ihrem Hort vergreifen, so gibt es nichts, was ihn noch vor ihrem Zorn retten könnte. Meliteria empfängt nie Besucher (nicht dass es je einer versucht hätte), und daher sollte jeder der sie aufsucht einen guten Grund haben, um nicht ihrem Zorn zum Opfer zu fallen. In einem solchen Fall jedoch wäre sie ihrem Naturell entsprechend sofort hilfsbereit und vielleicht sogar sanftmütig (soweit eine 30 m lange Echse mit einem Fleischfressergebiss in Pferdegröße das vermag).

Die Orks verharren für etwa eine Woche vor dem Taleingang. Dann wagen sich einige mutige Krieger im Schutze der Nacht und mit Talismanen behängt in den Canyon. Wenn die Orks das Dorf erblicken, steigt ihr Mut. Schließlich kann es hier keinen Fluch geben, wenn selbst Menschlein hier leben können. Erst mal sondieren sie das Gelände und wollen ein paar Beweise mit zu ihrem Stamm bringen. Spätestens jetzt sollten die Spieler mitbekommen, dass etwas im Dorf umgeht, was nicht sein darf. Der Kampf in den dunklen Gassen des Ortes wird hart und erbarmungslos ausgefochten. Schließlich kämpfen hier die besten und tapfersten Orks des Stammes. Sollten die Charaktere nicht mit ihnen fertig werden, taucht plötzlich ein gewaltiger Silberdrache auf und beendet den Kampf auf seine Weise.


Der Rest der Reise sollte danach ereignislos verlaufen.


-cp-

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