Spawn

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1992 erschien der erste Spawn - und brach alle Rekorde. Mit 1,7 Millionen Heften wurde es zum meist verkauften Comic aus einem unabhängigen Verlag - erfunden, geschrieben, gezeichnet und getuscht von Todd McFarlane. Ohne ihn gäbe es Spawn nicht. Seinen eigenen Charakter beschreibt Todd folgendermaßen: "Ihr habt "Calvin & Hobbes" gelesen. Stellt euch vor Calvin wäre nicht vom Busfahrer getötet worden, sondern wäre dreißig Jahre alt geworden und hätte seinen Namen in Todd McFarlane geändert. Das bin ich!"


Todd wurde am 16. März 1961 im kanadischen Calgary geboren. Bereits früh las und zeichnete er wie besessen Comics, doch erst eine Knöchelverletzung sorgte dafür, dass er seine beginnende Karriere als Baseballspieler abbrach und professioneller Zeichner werden wollte. Während seines Studiums in Kommunikationswissenschaften und Grafikdesign begann er seine Werke zu verschicken und erhielt über 700 Ablehnungen. Erst als er 1984 sein Studium abschloss, durfte er für Marvel einige unbedeutende Nebengeschichten zeichnen. Doch letztendlich wurde er fest bei DC eingestellt und zeichnete dort die Serie "Infinity Inc." ab Nummer 14. Von da an ging es stetig bergauf. Er zeichnete mehrere Ausgaben von "Hulk" und machte sich einen Namen bei der Erschaffung von Titelbildern für "Batman", "Wolverine" und "Spider-Man".


Im März 1988 kam der große Durchbruch. Er begann mit der Nummer 298 seine Arbeit für "Amazing Spider-Man". Er verlieh Spidey durch neue Bewegungen und Körperhaltungen ein spinnenartigeres Aussehen. Auch vermochte er durch seinen Zeichenstil das Netz richtig klebrig wirken lassen. Und er erschuf einen der beliebtesten Gegner: Venom.


Die Popularität und die Verkaufszahlen von Spider-Man stiegen mehr und mehr, was bei Marvel ein gewisses Unbehagen auslöste. Schließlich sollten die Superhelden die Stars sein und nicht die Zeichner. Nach nur einem Jahr langweilte Todd sich bereits bei der reinen Zeichenarbeit. Er wollte mehr. Es ist bezeichnend für sein Talent, dass Marvel ihm gestattete eine eigene Serie zu schreiben und zu zeichnen: "Spider-Man" (ohne das Adjektiv "Amazing"). Sie wurde auf Anhieb die erfolgreichste Serie aller Zeiten und hielt sich ein Jahr lang als Nummer Eins der Verkaufslisten - genau so lange, bis Todd alles hinschmiss.


Es hatte schon seit längerem Querelen zwischen ihm und dem Verlag gegeben. Todd war sehr von sich selbst überzeugt und ließ dies alle spüren. Er sagte über sich selbst: "Ich war äußerst begabt, hatte bahnbrechende Erfolge und war ein Arschloch - und ich war stolz darauf." Zwei Dinge brachten ihn zum aussteigen, zum einen die Geburt seiner Tochter, zum anderen die Tatsache, dass er eine Szene ummalen sollte, in der jemand ein Schwert ins Auge gerammt wurde. Dies widersprach jedoch dem sogenannten Comic Code, welcher die Darstellung exzessiver Gewalt verbietet. Todd wusste nichts von so einem Verbot und weigerte sich, das Bild umzugestalten. Er sah dies als willkürliche Einmischung in seine Arbeit. Er ging mit Frau und Kind nach Oregon und kümmerte sich erst mal um seine Familie. Und er begann einen eigenen Verlag zu planen, in dem die Künstler die Rechte für die von ihnen geschaffenen Figuren behalten sollten. Somit werden die Künstler finanziell entschädigt wenn die Figuren anderweitig verwendet würden z.B. im Merchandising. So gründete Todd McFarland mit einigen anderen Künstlern wie Jim Lee (Zeichner für X-Men), Marc Silvestri und Rob Liefeld. den unabhängigen Verlag namens Image Comics.

Todd zog eine zehn Jahre alte Idee aus dem Hut: Spawn!

Aber was machte Spawn so erfolgreich und vor allem wie unterscheidet er sich von den anderen Superhelden?


Die Geschichte beginnt im Jahre 1987. Der schwarze Soldat Al Simmons kämpft in einer Spezialeinheit für die amerikanische Regierung, In Geheimaktionen werden auch Drecksarbeiten wie Morde und Massaker erledigt. Erst als Al sich in die schöne Wanda verliebt kommen ihm Zweifel und Gewissensbisse. Durch seine Liebe und Hochzeit zu Wanda verliert er den Geschmack am töten. Er will aussteigen. Doch sein Boss Jason Wynn lässt ihn lieber bei einem Einsatz in Botswana von einem Teammitglied töten, indem er Al als Spion ausgibt.

Al fährt hinab in die Hölle. Er leidet. Nur der Gedanke an Wanda hält ihn aufrecht. Um sie noch einmal wieder zusehen versprach er alles. Und er wurde wiedergeboren - als Hellspawn!

Doch Malebolgia, der Herrscher dieser Hölle, hatte seine eigenen Pläne. Er gab Spawn Macht, einen neuen Körper und ein Kostüm, einen Symbionten, der direkt mit Spawns Nervensystem verbunden ist und wie ein Teil seiner selbst reagiert. Dafür raubte Malebolgia ihm einen großen Teil seiner Erinnerungen und entstellte den neuen Körper bis zu Unkenntlichkeit.

Er kehrt zurück nach New York - völlig verwirrt und ohne Kenntnisse seiner Fähigkeiten. Es sind fünf Jahre seit seinem Tod vergangen. Einige Zeit lebt er in den Slums der Stadt und verteidigt die Obdachlosen. Nur langsam findet er sich wieder in der Welt zurecht und begreift seine Rolle. Himmel und Hölle existieren. Aus rücksichtlosen Kämpfern erschafft die Hölle seit Anbeginn der Zeit so genannte Hellspawns. Sie werden zurück in diese Welt geschickt um sich auszubilden. Wenn es eines Tages zur großen Schlacht gegen die Armee des Himmels kommt führen die Spawns die Hölle an. Und Al ist der erste Hellspawn seit 200 Jahren und soll der General von Malebolgia werden. Spawn besitzt ein gewisses Machtpotential auf dieser Welt. Ist es aufgebraucht fährt er für immer in die Hölle zurück und muss seinen Platz einnehmen. Al bzw. Spawn kämpft verzweifelt dagegen an. Er greift auf Waffen und rohe Gewalt zurück statt auf seine Kräfte wenn er angreift. Er kämpft eher auf der Seite des Guten, nur um der Hölle ein Schnippchen zu schlagen, aber auch um sein Gewissen zu beruhigen. Der fette Clown Violator ist ein Gesandter der Hölle und versucht ihn immer wieder zu bösen Handlungen oder den Gebrauch seiner Macht zu verführen.

Aber es gibt auch die Gegenseite, den Himmel, der in Spawn logischerweise einen Gegner sieht und ihn vernichten will. Dazu werden Engel ausgeschickt, wunderschöne Frauen mit den passenden Namen wie Angela oder Gabriella. Erst nach einigen harten Kämpfen kommt es zu einer Art freundlichen Waffenstillstand. Auch gibt es einen Gesandten des Himmels, Caliostro, der sich als alter Penner ausgibt und Spawn beratend zu Seite steht. Er glaubt tatsächlich noch an das Gute und daran, dass Spawn für den Himmel kämpfen könnte.

Bald muss Spawn auch den nächsten Tiefschlag hinnehmen. Wanda ist wieder verheiratet mit Terry Fitzgerald, ursprünglich Als bester Freund und Mitarbeiter in der Spezialeinheit. Sie haben bereits eine Tochter, Cyan, welche Spawn schnell großes Vertrauen entgegenbringt, während Wanda in ihm nur ein grauenhaftes erschreckendes Wesen sieht. Einzig Al Simmons blinde Großmutter akzeptiert ihren Enkel ohne Vorbehalte und glaubt an seine lichte Seite. Er ist wieder auferstanden also muss er ein Engel sein!

Selbst Rache an Jason Wynn bleibt ihm versagt. Dieser hat Vorkehrungen getroffen. Sollte ihm etwas passieren sterben Terry und seine Familie.

Frustriert zieht Spawn sich wieder in die Gosse zurück. Die Hölle, der Himmel, Jason Wynn und der Schutz von Wandas Familie und den Obdachlosen sorgen immer wieder für Herausforderungen und Kämpfe ohne dass die Geschichte weiter vorangeht.

Es entstehen viele Nebenserien wie "Violator", "Angela" oder Crossoverserien mit anderen Helden aus dem Image-Verlag wie Spawn/Wild C.A.T.s (von Jim Lee), sogar mal mit Batman!

Der Erfolg der Serie liegt wohl zum einen daran, dass Spawn der erste schwarze Superheld mit einer eigenen Serie ist und nicht nur ein Sidekick oder Teammitglied ist. Dieses trägt ihm viele Sympathien ein ebenso wie die Tatsache dass Spawn sich um die Leute der untersten Schicht kümmert, Slumbewohner, Obdachlose oder Straßengangs. Zum anderen hat sich die neue Serie gleich dem Zeitgeist angepasst, eine Umstellung die Marvel oder DC nicht nachvollziehen wollen oder durch den Comic Code auch nicht können.

Spawn ist wesentlich blutiger als der normale Mainstream. Blut, Eingeweide, herausgerissene Herzen, die in der Gegend rumgeschmissen werden… Auch übt Spawn sich meistens in Selbstjustiz. Wozu einen Gegner der Polizei übergeben wenn ich ihm einfach den Kopf abreißen kann? Da kann einem doch ab und an etwas übel werden, zumal der detaillierte Zeichenstil von Todd diese Dinge noch betont. Trotz allem ist die Grundidee vom Kampf zwischen Himmel und Hölle sehr faszinierend umgesetzt.


-sw-

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